Index Design Award - Kopenhagen

Der "Oscar unter den Designpreisen

In Kopenhagen wurde am Freitag mit dem Index Design Award der höchstdotierte Designpreis der Welt verliehen. Unter den fünf Gewinnern: eine Beinprothese und ein Elektrosportwagen. Die Ausstellung mit über 100 Entwürfen, die in die Endrunde kamen, ist noch bis 23. September auf dem Platz Kongens Nytorv im Zentrum von Kopenhagen zu sehen

In einer dem dänischen Klischee mehr entsprechenden Umgebung hätten die
Entwürfe kaum gezeigt werden können: Im Hintergrund links die Flaniermeile
Nyhavn – neben der kleinen Meerjungfrau das wohl beliebteste Postkartenmotiv
Kopenhagens –, etwas dichter einer jener das Stadtbild Kopenhagens
prägenden Hotdogstände, pølsevogn genannt, auf der anderen Seite das weiße
Hotel D’Angleterre mit drei dänischen Flaggen auf dem Dach, in dem Hans
Christian Andersen zeitweilig gelebt hat und das Schauplatz in Peter Høegs
Roman „Vorstellung vom 20. Jahrhundert“ ist. Mittendrin stehen auf dem Platz
Kongens Nytorv über 100 mannshohe durchsichtige Kunststoffkugeln, in denen
Designentwürfe präsentiert werden. Noch bis 23. September werden hier jene
Arbeiten gezeigt, die in die Endrunde für den Designpreis Index gekommen
sind.


Dänemark versucht sich beharrlich als Großmacht der schönen Formen zu
vermarkten und zu zeigen, dass das Land auch nach Arne Jacobsen, Poul
Henningsen, Poul Kjærholm und Hans Wegner überaus talentierte Designer
hervorgebracht hat. Teil dieser Strategie ist die Auslobung des
Designpreises Index, der 2005 zum ersten Mal vergeben wurde. Nun wird alle
zwei Jahre eine halbe Mio. Euro für gefällige Entwürfe gezahlt. Index wurde
am vergangenen Freitag zum zweiten Mal vergeben. Ausgezeichnet und mit
jeweils 100 000 Euro Preisgeld versehen wurden ein Sportwagen mit
Elektroantrieb, eine Beinprothese, der bereits weltbekannte preiswerte
Laptop für Entwicklungsländer, eine wasserreinigende Flasche und ein Gerät
namens Tongue Sucker, das bei der Ersten Hilfe dafür sorgen soll, dass der
Patient nicht an seiner eigenen Zunge erstickt. Alle diese Entwürfe wurden
laut Jury dem Motto des Preises „Design to improve life“ gerecht (Design, um
das Leben zu verbessern), zum Teil haben die Objekte bereits andere Preise
gewonnen.

"Design to improve life!"

Den Veranstaltern von Index, der u. a. von der dänischen Regierung
gestützt wird, ist wichtig, dass die Entwürfe nicht nur schön und praktisch
sind, sondern mehr als das. Sie sollen darüber hinaus das Leben verbessern.
Der Sportwagen der Marke Tesla, entworfen von Martin Eberhard und seinem
Designteam des Herstellers Tesla, erfüllt nur auf den ersten Blick diese
Ansprüche nicht ganz. „Der Wagen macht die umweltfreundlichen Elektroautos
endlich attraktiv. Er zielt auf die gehobene Kundschaft ab. Wenn die erst
mit Elektrowagen herumfährt, wird es auch in breiten Gesellschaftsschichten
akzeptabel ,auf diese Art der Fortbewegung zu setzen“, so Jurymitglied Ged
Davis zur Begründung, warum ausgerechnet ein Sportwagen diesen Preis, der die
Welt verbessern soll, erhält. Schließlich haben laut Index bereits George
Clooney und Arnold Schwarzenegger einen Tesla bestellt. Man möchte den
zweien nicht wünschen, dass sie eines Tages auch den prämierten Entwurf des
Kanadiers Sébastien Dubois für sich kaufen müssen. Die Beinprothese
„Mobility for Each One“ soll vor allem für die Opfer der vielen Landminen
genutzt werden. Anders als viele bisher bekannte Prothesen versucht dieser
Entwurf gar nicht erst wie ein Fuß auszusehen, gleichzeitig ist das Modell
so simpel aufgebaut, dass es laut Dubois für nur acht US-Dollar pro Stück
hergestellt werden kann.


Designer aus dem Gastgeberland Dänemark waren diesmal nicht unter den
Prämierten, doch der Publikumspreis blieb im Lande. Ein simpler Aufsatz für
Getränkedosen, der dafür sorgen soll, dass diese genutzt werden können, um
benutzte Nadeln sicher zu verwahren, wurde von den Ausstellungsbesuchern als
bestes Objekt ausgewählt. Auch deutsche Designer waren nicht unter den
Geehrten. „Die Ausstellung und der Preis sind trotzdem ein großer Erfolg.
Besonders weil Index anders als etwa der deutsche Red Dot Award sich viel
mehr an die breite Öffentlichkeit richtet, etwa durch die Ausstellung mitten
im Stadtzentrum. Das nutzt der gesamten Branche“, sagt Leif Huff, Designer
bei IDEO in München und eigens für den dänischen Preis nach Kopenhagen
gekommen. Seine Kollegin sagt noch, dass der Index in der Branche als „Oscar
unter den Designpreisen“ gilt. Damit dürfte Dänemark auch das zweite Ziel
erreicht haben, nämlich nicht nur eine Lanze für gutes Design zu brechen,
sondern auch einmal mehr das kleine nordeuropäische Land als führende
Designnation zu positionieren.

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