Delfter Teller - Keramik-Design

Weisses Gold im neuen Glanz

Fast jeder hat eine Tante oder einen Onkel, die irgendwann einmal von einer Hollandreise mit einem Teller oder einer Vase Delft Blau als Mitbringsel nach Hause kamen. Sexy ist etwas anderes. Oft verschwand das gute Stück deshalb in der hintersten Ecke eines Schranks. Das könnte sich jetzt allerdings schon bald ändern.
Weißes Gold im neuen Glanz:Junge Designer gestalten Delfter Teller neu

Die neuen Delft-Teller von Piet Hein Eek

Um sein Image aufzupeppen, will das Delfter Traditionsunternehmen „De Koninklijke Porceleyne Fles“ (Die königliche Porzellanflasche) mit jungen niederländischen Designern in See stechen. Der erste ist Piet Hein Eek: Bislang genoss der 39-Jährige eher ein Holzfällerimage, da er vorzugsweise Schränke auseinandernimmt, um die Schubladen dann neu zu einem Regal zusammenzuzimmern. Jetzt konnte er im Steingutladen (Delft Blau ist streng genommen kein Porzellan) Feingefühl beweisen: Die Serie aus 16 Tellern, die er für das Delfter Unternehmen entworfen hat, besticht durch Eleganz und Schlichtheit. „Stripped (ausgezogen) by Piet Hein Eek“ lautet ihr Titel. Denn Eek hat die reiche Ornamentik auf den traditionellen Tellern auf ein einziges Motiv reduziert: „Das war einfach overkill, ein Vogel oder eine Blume tun es auch.“ Auf einigen Tellern holt er das, was normalereise auf der Rückseite prangt, prominent nach vorn, zum Beispiel die Seriennummer, den Durchmesser oder die Initialen des Tellermalers. Denn alle echten Delft-Blau-Produkte werden nach wie vor von Hand bemalt.

Mit der neuen Design-Keramik will die „Porceleyne Fles“ das Durchschnittsalter ihrer Käufer herunterschrauben und mehr heimische Kunden anziehen: „Unser größter Absatzmarkt ist im Ausland“, so Direktionsassistentin Jessica van Erkel. Neue Impulse kann die Keramikfabrik gut gebrauchen: In den ersten sechs Monaten von 2007 ist der Umsatz um neun Prozent gesunken.

Die „Porceleyne Fles“ ist das einzige Delfter Traditionsunternehmen aus dem 17. Jahrhundert, das sich bis in die Gegenwart behaupten konnte. In diesem Goldenen Zeitalter begann die Produktion von Delft Blau. Ausgelöst wurde sie von Kaufleuten auf den Schiffen der Ostindischen Handelskompagnie, die erstmals Porzellan aus China nach Europa importierten. Die Europäer hatten gerade Kaffee und Kakau als exotische Spezialitäten entdeckt. So entstand eine enorme Nachfrage nach chinesischem Porzellan. Und schon damals war der Handelsgeist der Niederländer sprichwörtlich: Schnell versuchten sie, die begehrte Ware aus dem fernen Osten zu imitieren. Besonders eifrig waren die Delfter Töpfer: Um 1700 gab es in der Vermeer-Stadt 32 Töpfereien.

Die exotischen Motive auf den Tellern, Tassen und Schüsseln wurden im Laufe der Jahre allerdings immer europäischer und schließlich durch typisch holländische Schlittschuhläufer oder spielende Kinder ersetzt. Bei allen Produkten jedoch handelte es sich nach wie vor um Steingut. Denn eines war auch den Delftern nicht gelungen: die Herstellung von echtem Porzellan. Das schaffte erst 1708 in Meißen ein gewissen Johann Friedrich Böttger – und zwar im Auftrag von August dem Starken: Auch der soll ganz vernarrt gewesen sein in das weiße Gold, wie Porzellan damals genannt wurde.

Mehr zum Thema im Internet