Urheberrecht - Agnes Miski Török

Schöner Schein

Die schwedische Bank SEB benutzte in einer Werbekampagne einen Geldschein, dessen Motiv – ein Porträt der Sängerin Jenny Lind – die Designerin Agnes Miski Török angefertigt hat. Sie sah ihr Urheberrecht verletzt, klagte – und gewann den Rechtsstreit in erster Instanz
Skurriler Streitfall:Geld-Designerin Miski Török verklagte eine Bank

Jenny Lind, die schwedische Nachtigall, auf dem Geldschein von Agnes Miski Török

Das Verhältnis von Kunst und Geld ist eine alte Geschichte. Künstler geben sich gerne unabhängig vom Kapital, aber verdienen mit ihren Werken trotzdem gerne gutes Geld. Spätestens, wenn andere diese Kunst benutzen, um ohne den Künstler Geld zu verdienen, wird es ernst.

Urheberrechtsverletzungen, sei es in Form von Fälschungen oder illegalen Reproduktionen, sind gang und gäbe. Schließlich lässt sich so ohne selbst sonderlich kreativ werden zu müssen, recht einfach mittels der Begabung eines anderen Geld verdienen.

Genau das habe das Bankhaus SEB getan, als es im Jahr 2002 einen schwedischen 50-Kronen-Schein in einer Werbekampagne benutzt hat, klagt die Designerin Agnes Miski Török, die das Porträt der schwedischen Sängerin Jenny Lind, genannt "die Nachtigall", auf dem Geldschein gestaltet hat. Sie sieht durch die Reklame ihre Rechte verletzt und ist vor Gericht gegangen. In erster Instanz war sie erfolgreich. Ein Stockholmer Richter sprach ihr umgerechnet rund 11 000 Euro zu, doch die Bank hat Berufung eingelegt und nun geht es bald in die nächste Runde.

Bei der SEB, eine der größten Banken Nordeuropas und auch in Deutschland präsent, war man sich nicht klar darüber, dass der Abdruck Probleme bereiten könnte, schließlich haben Millionen Schweden den Schein täglich in der Hand. So wie in einer Werbung häufig Autos und Häuser zu sehen sind, nahm man an, dass ein Geldschein auch kein Problem sein sollte. "Der Schein ist im Auftrag der Riksbanken, der Schwedischen Nationalbank, hergestellt worden, die diesen in Umlauf gebracht hat. Wir haben, wie es in solchen Fällen üblich ist, bei Riksbanken angefragt und die allgemeinen Hinweise für einen Nachdruck bekommen. Wir mussten die Größe des Scheins ändern und das Motiv teilweise verdecken, damit er nicht mit echtem Geld verwechselt werden kann", sagt Mats Bergling, Jurist bei der SEB.

Eine Entschädigung von 11 000 Euro?

Die Bank meint, dass die Designerin keine Rechte mehr an dem Motiv gehabt hat. Doch das Gericht in Stockholm entschied anders, sprach Török die Entschädigung zu und verurteilte die SEB dazu Anwaltskosten von rund 42 000 Euro zu tragen. Zwar sei Török zum Zeitpunkt, als sie die Grafik schuf, bei einem Unternehmen angestellt gewesen und habe einige ihrer Rechte abgetreten, nicht aber das, das Bild kommerziell weiter zu verwenden, so das Gericht. Zudem sei respektlos mit dem Werk von Török umgegangen worden, weil in der Werbung teilweise Schrift über das Motiv lief – wie von der SEB beabsichtigt, um die Forderungen der Nationalbank zu erfüllen.

Die Designerin, die mittlerweile selbständig arbeitet und für diverse Nationalbanken Scheine entwirft, will sich zu dem Rechtsstreit nicht persönlich äußern. Aus den Gerichtsunterlagen geht aber hervor, dass die Erstellung des Porträts vier Monate gedauert habe, was einem Honorar von rund 35 000 bis 70 000 Euro entspreche. Demnach, so die Künstlerin, sei eine Entschädigung von 11 000 Euro angemessen. Weil sie, die diverse Geldscheine gestaltet hat, außerdem nie ihre Erlaubnis gegeben hätte, den Schein in der Bankwerbung zu verwenden, forderte sie weitere 2200 Euro Schadenersatz.

Die Bank setzt jetzt darauf, in nächster Instanz Recht zu erhalten und der Designerin nichts zahlen zu müssen. Eine Entscheidung dürfte in den kommenden Monaten fallen. Wenn Török Glück hat, erhält sie die erhoffte Entschädigung. Die könnte die Bank ihr dann auf einem Scheck der SEB auszahlen, den Török selber gestaltet hat.

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