Edition Schellmann - Jörg Schellmann

Unterkühlt bis poppig bunt

Schon seit 40 Jahren führt Jörg Schellmann erfolgreich seine Münchner Editionsgalerie, hat mittlerweile Dependancen in New York und Berlin eingerichtet. Jetzt leistete er sich nicht nur den Umzug in ein großzügiges, modernistisches Galeriehaus in Schwabing, sondern wagt sich auch an eine verführerisch neue Geschäftsidee auf den Markt: Schellmann produziert Möbel mit und von Künstlern.

Der Möbelsektor reizt Jörg Schellmann, den renommierten Verleger für Kunst, vor allem, weil sich für einen Tisch, einen Stuhl, eine Lampe "pragmatische Qualitätskriterien" finden lassen, so Schellmann. "Durch die Benutzbarkeit haben wir einen großen Erfahrungsschatz, was ein gutes Möbel ist." Und ohnehin hätten Editionen mittlerweile eine natürliche Größe erreicht: "Das klassische Multiple der sechziger Jahre war ja eher eine Miniatur, so ein niedliches Ding."

In seinen neuen Münchner Schauräumen präsentierte er jetzt erstmals Möbelkunst wie etwa zum Deckenleuchtring gereihte Neonröhren von Gerhard Merz, aber auch posthum nach Entwürfen von Joseph Beuys und Donald Judd hergestellte Stücke. Von Jean-Marc Bustamante gibt es einen an der Oberseite mit sperrigen Muttern verschraubten Glastisch. Liam Gillick ist mit frappant schlichten Tisch- und Regalsystemen vertreten, die sich an der Minimal-Art orientieren, aber durch den poppigen bunten Anstrich etwas von deren rigider Strenge nehmen. Die Preise liegen zwischen 6000 Euro und 9000 Euro pro Möbel. Die Auflage schwankt zwischen 30 Stück für die Merz-Leuchte und 100 Stück für das Gillick-Regal.

Schellmann entwickelt das Möbeldesign in Schulterschluss mit den Künstlern. Damit nicht genug: Unter dem Label "Studio ESF" stellt der Galerist auch erstmals selbst konzipierte Möbel vor: Unterkühlte Stahlstücke wie aus dem Industriebaukasten.

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