DDR Plakate - Kunstsammlungen Chemnitz

Vom Werbeträger zum Sammelobjekt

Das originalgrafische Künstlerplakat hatte in der DDR einen ganz besonderen Stellenwert. 100 Plakate aus der Sammlung von Margrit und Gert Becker gingen als Schenkung an die Kunstsammlungen Chemnitz und werden dort erstmals nach der Wende ausgestellt.

Für die Gestaltung von Plakaten sind im allgemeinen Gebrauchsgrafiker zuständig. Anders ist die Situation, wenn für Ereignisse auf dem weiten Gebiet der Kunst geworben werden soll. Schon im Jugendstil und im Expressionismus entwarfen Künstler Plakate für Ausstellungen oder Konzerte.

Eine Blütezeit erlebte das Medium in der Nachkriegszeit – selbst die ganz Großen wie Pablo Picasso, Marc Chagall oder Joan Miró lieferten die Originalgrafiken. Eine ganz besondere Situation herrschte in der DDR. "Das originalgrafische Künstlerplakat lebte auf dem Gebiet der DDR bis in die 1990er Jahre hinein nahezu flächendeckend", schreibt der Dresdner Galerist Gunter Ziller im Katalog zu einer Ausstellung in den Kunstsammlungen Chemnitz.

Als Gründe nennt Ziller unter anderem, dass Druckgenehmigungen anfangs "nur für der Ideologie genehme Ausstellungen" erteilt wurden, aber dann auch "für jene nicht wesentlich störende". Und für Künstler war das Künstlerplakat geradezu ein Freibrief: Originalgrafische Plakate durften bis zu einer Auflage von 99 Exemplaren ohne Drucklizenz vervielfältigt werden. Und so entstand in der DDR eine "immens hohe Zahl originalgrafischer Plakate", so Ziller.

"Plakatsammlung für D-Mark"

Margrit und Gert Becker aus Kronberg im Taunus haben diese künstlerischen Werbeträger gesammelt. "Unmittelbar nach der Wende bekam ich einen Anruf von einem Antiquar aus Berlin. Er habe da eine Sammlung von Plakaten, die mich interessieren könnte. Er habe sie jemandem abgekauft, der offenbar D-Mark haben wollte", erzählte Gert Becker, der schon zuvor Buchkunst gesammelt hatte, der sächsischen Tageszeitung "Freie Presse". Das Ehepaar griff zu. Da es keine Ausstellungsmöglichkeit hatte, lagerten die Plakate unter anderem von Gerhard Altenbourg, Carlfriedrich Claus, Angela Hampel, Michael Morgner, Gerhard Kettner, Willy Wolff, Max Lachnit, Max Uhlig und Thomas Ranft zunächst in ihrem Haus. Bis Ingrid Mössinger, Generalintendantin des Kunstsammlungen Chemnitz, bei den befreundeten Beckers eingeladen war und von der Sammlung erfuhr.

Im Jahr 2007 schenkte das Ehepaar Becker dem Institut seine Sammlung von 100 Plakaten. Schwerpunkt der Kollektion sind die 1980er Jahre und die DDR-Kunstzentren Berlin, Dresden, Leipzig und Karl-Marx-Stadt, das heutige Chemnitz. Alle druckgrafischen Techniken sind vertreten – Offsetlithografie, Lithografie, Siebdruck, Holzschnitt, Computergrafik, Linolschnitt, Radierung, und sogar die Zeichnung. Gut möglich, dass, angeregt durch diese Ausstellung, die durch Blätter aus Museumsbesitz ergänzt wird, noch das eine oder andere Künstlerplakat aus der Versenkung auftaucht.

"Künstlerplakate aus der DDR 1967–1990"

Termin: bis 22. März, Kunstsammlungen Chemnitz. Katalog: Kerber Verlag, 20 Euro, im Buchhandel 34 Euro
http://kunstsammlungen-chemnitz.justexpertise.de/

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