Designerteam Nendo - New York

Geister-Geschichten

Das Museum of Arts and Design (MAD) in New York zeigt eine Ausstellung des Designer-Teams Nendo

Über das neue Zuhause des Museum of Arts and Design (MAD), ein schmuckloser Kasten am Columbus Circle, hat sich so mancher Architektur-Kritiker lustig gemacht. "Abriss" forderte Nicolai Ouroussoff von der New York Times, ein Kollege vom Boston Globe verglich das Gebäude mit einem "umgestülpten Ikea-Karton". Doch mittlerweile scheinen sich die New Yorker mit dem silbern schillernden Bau versöhnt zu haben. Diesen Herbst feierte das Museum ersten Geburtstag und tatsächlich überrascht es immer mal wieder mit kleinen, aber einfallsreichen Ausstellungen.

Dazu zählen die neuen Arbeiten des in Tokio arbeitenden Designer-Teams Nendo. Nendo bedeutet im Japanischen Knetmasse. Dass gerade Kinder gern mit der weichen Masse Formen und Farbmischungen erproben, gefiel dem Team aus fünf Designern, darunter der ursprünglich in Toronto geborene Oki Sato, der das Büro 2001 in Tokio eröffnete. Seitdem entwirft das Nendo-Team Produkte für exklusive Möbelhersteller wie Cappellini, Moroso, Swedese oder Quodes. Mit dem "Cabbage Chair", der 2008 in die Sammlung des Museum of Modern Art aufgenommen wurde, legte Oki Sato bereits einen Klassiker hin. Der Sessel besteht aus einer Rolle mit gefaltetem Papier. Ein Abfallprodukt, das beim Schneidern von Designerkleidern anfällt. Der für an Skulpturen erinnernden Roben bekannte Modeschöpfer und Tokioter Designmuseumsleiter Issey Miyake hatte den Auftrag für den Sessel erteilt.

Vier neue Designs führt Oki Sato nun im zweiten Stock des MAD-Museums vor: über den Boden zu schweben scheinende Stühle, kugelrunde Pilzlampen, unverwüstliche Holzstühle, die mit zarten Gerüst irritieren, und Vasen, die dem Betrachter eine optische Täuschung bieten. "Uns geht es nicht so sehr um Funktionalität, sondern eher um Gefühle, die wir vermitteln wollen. Wir wollen kleine Geschichten erzählen, die Leute überraschen", sagt der 1977 geborene Oki Sato. Seine kleinen Überraschungen haben allerdings ihren Preis: 9000 Dollar kostet der schwebende "Fade-Out"-Chair aus Acryl. 250 Dollar eine kleinere Version der kugeligen, aus Polyester gefertigten Lampen, die an japanische Papier-Laternen erinnern sollen. Issey Miyake hat sich sofort zwei der Pilzlampen für sein Zuhause bestellt. Nendo lässt seine Möbel und Objekte bei ausgewählten Handwerkern in Japan herstellen. Der zerbrechlich wirkende "Cord-Chair", dessen Holzrahmen im Inneren ein Stahl-Skelett stützt, wird zum Beispiel bei einem ehemaligen Flugzeugbauer produziert, der auf Grund der Materialknappheit nach dem Krieg Flugzeuge aus Holz baute.

Getreu seiner Philosophie nannte das Nendo-Team die Ausstellung "Ghost Stories". "In Japan leben die Menschen mit ihren Geistern, die für sie etwas Positives sind. Für jedes Geräusch, für den Wind, den Regen gibt es einen Geist. Unsere Designs haben etwas von der Magie dieser Geister-Geschichten", meint Oki Sato. Zu den Eigenarten des MAD-Museums passt, dass sich Nendos poetische Objekte die Räume bis zum Ende der Ausstellung im Januar mit einer Ladung US-Patriotismus und Glitzer-Schmuck teilen müssen. In einer Ecke derselben Etage werden die schillernden Anstecknadeln der ehemaligen Außenministerin Madeleine Albright ("Read My Pins") ausgestellt. Herzen, Blumen, Früchtchen oder Tier-Nadeln aus schillernden Steinen wie die stechbereite Biene, die Madame Albright damals bei einem Treffen mit Jassir Arafat trug. Das MAD-Museum bleibt eben ein eigenwilliger New Yorker Kulturbetrieb, der es immer wieder schafft, seine Besucher zu verblüffen.

Ghost Stories: New Design from Nendo

Termin: 27. Oktober 2009 - 10. Januar 2010. Ort: Museum of Arts and Design (MAD) New York
http://collections.madmuseum.org/code/emuseum.asp?emu_action=advsearch&rawsearch=exhibitionid/,/is/,/504/,/true/,/false&profile=exhibitions

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