Gerd Grimm - Hamburg

Zeichner des Fräuleinwunders

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt eine Ausstellung über den Modezeichner Gerd Grimm, der die Mode seit den dreißiger Jahren mit dem Zeichenstift begleitet hat.

Die Modezeichnung war über Jahrzehnte ein internationales Phänomen: In Deutschland hockte der weibliche Teil der deutschen Nation vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren gebannt vor dem Fernseher, wenn Antonia Hilke mit flottem Strich die neuesten Modetrends vom "Rond Point" skizzierte. Längst aber schien die Fotografie die Modezeichnung aufs Altenteil gesetzt zu haben. Daher wirkt es wie ein Fanal, wenn nun ein so renommiertes Institut wie das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe dem Modezeichner und Werbegrafiker Gerd Grimm eine Retrospektive widmet – eine Ausnahmeerscheinung. Denn Grimm hat die Mode seit den dreißiger Jahren kontinuierlich begleitet.

Schon 1989 hat René Gruau (1909 bis 2004), Grafiker von Christian Dior, im Musée de la Mode et du Costume in Paris eine erste Retrospektive gehabt und damit so etwas wie eine Renaissance des Mediums eingeläutet.
Donald Schneider, Artdirector bei der "Vogue", erklärt, zwar habe das Publikum stets das reale Kleidungsstück sehen wollen, wozu seit Jahrzehnten die Fotografie das adäquate Mittel zu sein schien: "Wenn es jedoch darum geht, eine Einstellung oder einen Stil auszudrücken, dann stellen Zeichnungen ein ebenso effektives Kommunikationsmittel dar. Und da es so lange vernachlässigt wurde, wirkt es nun frisch und unverbraucht, fast wie eine neue Darstellungsart".

Das Hamburger Museum würdigt Grimms "Gespür für Mode, Jugend und Zeitgeist". Er gestaltete Titelbilder und Illustrationen für deutsche Modejournale wie "Die Dame", "Die neue Linie" und "Die Frau", eine Vorläuferin der "Brigitte", aber auch für die amerikanische "Vogue" und den "Esquire". Seine Werbekampagne für die Zigarettenmarke "Reval" brachte ihm internationale Anerkennung. Schon 1951 schrieb Eberhard Hölscher in der Fachzeitschrift "Graphik", Grimm gehöre "zu jenen wenigen deutschen Gebrauchsgrafikern, die sich mit Sicherheit auf dem internationalen Parkett zu bewegen verstehen."

"Die mondäne Lady der Dreißiger"

Grimm hatte über alle Jahrzehnte einen unverwechsebaren Stil, der zwar plakativ, aber von bestechender Eleganz war. Nebenbei ist die Ausstellung in Hamburg natürlich auch eine wunderbare Zeitreise durch die Geschichte der Mode: Da ist die mondäne Lady der Dreißiger mit ausladendem Florentinerhut, das üppige Abendkleid der Wirtschaftswunderzeit in den Fifties, die Wespentaille im großkarierten Kleid feierte in den Sechzigern fröhliche Urständ, wurde dann aber vom Minirock abgelöst.

Gerd Grimm wurde 1911 in Karlsruhe geboren. Ab 1929 studierte er an der dortigen Akademie der Künste unter anderem bei Karl Hubbuch. Seit Ende der zwanziger Jahre arbeitete er als Modezeichner für verschiedene Zeitschriften. Als so genannter Halbjude konnte er während des Dritten Reiches nur eingeschränkt arbeiten. Nach der Heirat mit der Modezeichnerin Hilde van Gülich zog er 1946 nach New York, kehrte aber 1951 nach Deutschland zurück.

Neben seinen Mode- und Werbezeichnungen entstanden auch immer wieder Porträts und Studien von schönen Mädchen und Frauen, was ihm den Ruf eines "Zeichners des Fräuleinwunders" einbrachte. Gerd Grimm starb 1998 in seiner Heimatstadt Freiburg im Breisgau

"Die neue Eleganz. Der Modezeichner Gerd Grimm"

Termin: 11. Februar bis 5. April 2010, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
http://www.mkg-hamburg.de/