Thomas Heatherwick - London

Fantasiereichtum und ungewöhliche Herstellungsmethoden

In der Ausstellung "Spun" in der Galerie Haunch of Venison stellt der Londoner Designer Thomas Heatherwick vier Versionen eines Kreiselstuhls aus Kupfer und Edelstahl vor.

Wie überdimensionale Kreisel stehen sie da, doch dass sie oben ausgehöhlt sind, deutet darauf hin, dass es sich hier um Sitzmöbel handelt, um kegelförmige Schaukelstühle. Drei stehen aufrecht, auf der Spitze des Kegels, und sehen aus wie elegante Gefäße; der vierte ruht auf einer Seite, und erst jetzt werden die spielerischen Möglichkeiten seiner Form wirklich erkennbar. Man kann in ihm in einer kreisförmigen Bewegung schaukeln, ja sogar sich wie ein Derwisch um 360 Grad drehen. "Spun" heißt die Schau bei Haunch of Venison, ein Hinweis auf den Herstellungsprozess.

Thomas Heatherwick, der den wie eine gigantische Pusteblume aussehenden britischen Pavillon für die Shanghai Expo 2010 entworfen hat, ist nicht nur für seine überbordende Fantasie bekannt, sondern auch für seine ungewöhnlichen Herstellungsmethoden. So auch hier: Er verwendet eine traditionelle Technik, mit der aus Metallplatten etwa Kesseltrommeln oder Gaszylinder gesponnen werden, zur Herstellung von Möbeln. Mithilfe dieser Technik entstehen sechs zylindrische Formen, die er zu einem spiralförmige Kreisel zusammengeschweißen lässt. Auch entwirft er gerne Maschinen, um besondere Materialien herzustellen. So baute er eine Art Mangel, die für die Verkleidung von Atelierhäusern in Wales Stahlblech zerknitterte, oder einen Staubsauger, mit dem die Glasperlen einer fünf Stockwerke hohen Skulptur im Londoner Wellcome Institute entstaubt werden.

"Die handgemachten Arbeiten sind teure Einzelstücke"

Vier Versionen des Kreiselstuhls aus Kupfer und Edelstahl zeigt der Londoner Designer, zwei sind auf Hochglanz poliert, die zwei anderen haben eine matte Oberfläche. Um den Boden zu schonen, sind die beiden ihn berührenden Kanten aus weichem Leder gefertigt. Die handgemachten Arbeiten sind teure Einzelstücke, etwas für Sammler, doch auf der diesjährigen Mailänder Möbelmesse stellte der italienische Möbelhersteller Magis schon eine Variante aus Polyethylen vor.

Im vergangenen Jahr hatte Heatherwick in der Galerie Haunch of Venison seine ersten Sitzmöbel aus Metall vorgestellt: Bänke, die jeweils aus einem einzigen Stück Aluminium mit der angeblich weltgrößten Pressmaschine extrudiert, also in Form gepresst wurden. Organische, wellenartige Formen, die aussahen, als habe sie ein Riese aus der glühenden Lava eines Vulkans herausgefischt und erkalten lassen. Nach "Extrusion" nun also "Spun", und man kann darauf gespannt sein, wohin ihn seine nie versiegende Neugier beim Möbeldesign noch führen wird.

"Thomas Heatherwick - Spun"

Termin: bis 15. Mai, Haunch of Venison, London
http://www.haunchofvenison.com/en/#page=london.current.thomas_heatherwick

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