Werkstätte Hagenauer - Wien

Eine Familie macht Designgeschichte

Das "Wagner:Werk – Museum Postsparkasse" zeigt Entwürfe und Plastiken aus der renommierten Wiener Werkstätte Hagenauer, die von 1898 bis 1987 existierte

Barbra Streisand ist nicht nur eine grandiose Sängerin, sondern auch eine kundige Sammlerin von Jugendstil und Art Deco. Zu ihrer Kollektion gehören Werke unter anderem von Daum, Emile Gallé, Louis Majorelle, Louis Comfort Tiffany, Muller Freres und der Wiener Werkstätte Hagenauer. Diesem 1898 gegründeten Familienunternehmen widmet jetzt das "Wagner:Werk – Museum Postsparkasse" in Wien eine Ausstellung mit 200 Exponaten aus mehreren Privatsammlungen

Die bevorzugten Materialien der Hagenauer waren Holz und Metall; der Schwerpunkt der Ausstellung liegt zum einen auf Kunstgewerbe und Designobjekten, deren Entwürfe bis in die zwanziger Jahre zurückreichen, und zum zweiten auf den bildhauerischen Arbeiten Franz Hagenauers (1906 bis 1986) bis in die achtziger Jahre, darunter ein edler Doppelkopf, der in seiner formalen Strenge an die Schöpfungen eines Constantin Brancusi erinnern.

Gegründet wurde die Werkstätte vom Silberschmied, Ziseleur und Gürtler Carl Hagenauer (1872 bis 1928). Zunächst entstanden klassische Wiener Bronzewaren nach eigenen und fremden Entwürfen, die sich noch an den Vorbildern aus der Antike oder an Alten Meistern orientierten. Dann aber kam der Jugendstil in Mode, und bei den Hagenauers hielten fließende Linien und eine weiche, natürliche Formgebung Einzug.

Josephine Baker und das Männchen vom Mars

Carls Sohn Karl Hagenauer (1898 bis 1956), der an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Josef Hoffmann studiert hatte, brachte die Wendung zu einem neusachlichen Stil: Dem üppigen Dekors des Jugendstils folgten nun Objekte mit klaren, schnörkellosen Formen. Zu seinem Repertoire gehörten aber auch bei aller formalen Reduzierung verspielte, dekorative Kleinplastiken. Etwa eine beschwingte Figur der Showtänzerin Josephine Baker. Die hatte im März 1928 in Wien ein skandalumwittertes Gastspiel gegeben, Schon im Vorfeld wurde ihr Auftritt verteufelt. Die christlichsoziale "Reichspost" fragte etwa: "Josephine Baker mit dem Bananenschurz, nach wildtrunkenen Negerweisen tanzend, in der Stadt Schuberts, Strauß' und Beethovens, ist es nicht ein letztes Haltsignal vor der Fahrt ins Weite, Unermessliche des Abgrunds?"

Was Karl Hagenauer nicht davon abhielt, die ranke Tänzerin in Messing zu verewigen. Ganz schön skurril ist seine drollige Kühlerfigur (1929), die ein wenig an die kleinen Männchen vom Mars erinnert: Aus technischen Gründen hatten solche Kühlerfiguren ab Mitte der dreißiger Jahre ausgedient. Wurde bis dahin das Kühlwasser von außen aufgefüllt – die Kühlerfiguren dienten als Verschluss – so verschwanden nun die Kühlsysteme der Autos unter der Motorhaube, und ein externer Verschluss wurde nicht mehr benötigt.

Kleinbürgerliche österreichische Folklore abgeschüttelt

Auch Franz Hagenauer war Absolvent der Kunstgewerbeschule, bei Anton Hanak in der Fachklasse Bildhauerei und bei Josef Hoffmann in der Fachklasse für Metallarbeiten. Er wurde durch seine Messingfiguren bekannt, die die Tradition der Wiener Bronze in moderner Form fortsetzten. Der österreichische Bildhauer Fritz Wotruba (1907 bis 1975) lobte, dass es Franz Hagenauer gelungen sei, "die kleinbürgerliche österreichische Folklore abzuschütteln und sich aus dem Stilpanzer seines Handwerks zu befreien". Erst wenn man seine Torsi und monumentalen Köpfe "neben das formlose, weiche Gekröse seiner österreichischen Zeitgenossen stellt“, so Wotruba 1974, „ermisst man den Abstand, der gefühlsduselige Kneterei und geistige Vorstellung voneinander trennt". Mit Franz Hagenauers Tod endete die Geschichte der Hagenauer Werkstätte

"Hagenauer. Wiener Moderne und Neue Sachlichkeit"

Termin: 17. Mai bis 30. Juli. Katalog: 35 Euro
http://www.ottowagner.com/oesterreichische-postsparkasse/

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