Magie der Dinge - Zürich

Die Stars: Käse, Scheuerpulver und Staubsauger

Die kühle Schönheit von "Produktplakaten" – ein nostalgischer Rückblick in eine Zeit, als es noch keiner knalligen Werbeslogans bedurfte.

Unwillkürlich denkt man an die kühlen, eleganten Kompositionen der russischen Art-déco-Malerin Tamara de Lempicka. Auch die präzisen Porträts von Schreibmaschinen oder Bügeleisen des Deutschen Konrad Klapheck kommen einem in den Sinn oder die stark vergrößerten, pingelig gemalten Ansichten eines Haarscheitels oder einer Krawatte des Italieners Domenico Gnoli.

Was derzeit im Zürcher Museum für Gestaltung so sehr an die Werke bekannter Künstler erinnert, diente vor etlichen Jahrzehnten einem ganz profanen Zweck: der Werbung.

Wobei der Ausdruck "profan" angesichts der hohen ästhetischen Qualität der auf Gemälden basierenden Lithografien nicht angebracht ist. Der Deutsche Lucian Bernhard hatte die "Werbewirksamkeit einer kompakten Verschmelzung von Produkt und Markennamen" erkannt, wie es in einer Ausstellungsankündigung des Zürcher Museums heißt. Für diese Art der Werbung wurde der Begriff "Produktplakat" geprägt, so auch der Untertitel der Schau.

Die Produkte sprachen für sich

Es bedurfte keiner knalligen Werbeslogans: Die Produkte, ob "Gala"-Käse, "Vim"-Scheuerpulver, "Elektrolux"-Staubsauger oder "Revue"-Uhr – die Produkte, so edel und schön dargestellt, sprachen für sich. Bestechend die flächige Darstellungsweise von Bernhard und anderen Designern wie Niklaus Stöcklin, Beter Birkhäuser, Donald Brun oder Otto Baumberger, die den Objekten eine fast magische Ausstrahlung verleiht. "Wie ästhetisch, wie ehrlich war doch die Werbegrafik von anno dannzumal!", schwärmt der Kulturjournalist Urs Steiner in der "Neuen Zürcher Zeitung".

Heute wird kein Produkt sondern Lifestyle vermittelt

Die Werbestrategien haben sich geändert. Heute reicht nur ein seltenen Fällen der Produktname (Ausnahme: "Volkswagen – Das Auto"), genügt die informative Sachwerbung nicht mehr, um sich im Wettkampf um den Konsumenten abzuheben und durchzusetzen. Heute wird kein Produkt, sondern Lifestyle vermittelt – die Zürcher Ausstellung vermittelt mit 80 Klassikern aus der Plakatsammlung des Museums für Gestaltung einen nostalgischen Blick zurück.

"Magie der Dinge"

Termin: bis 6. Januar 2013, Museum für Gestaltung Zürich, der Katalog erscheint bei Lars Müller Publishers und kostet 28 Euro
http://www.museum-gestaltung.ch/