Koreanische Lackkunst - Münster

Akkuratesse und betörende Ästhetik

Schätze aus der Zeit von 918 bis 1910 – darunter auch Raritäten, von denen es weltweit nur noch etwa 30 Exemplare gibt

Bei Korea denkt man, wenn es um den Nordteil der Ostasiatischen Halbinsel geht, an einen kleinen, dicken Diktator, an Erbdynastie, sozialistische Planwirtschaft und eine hungernde Bevölkerung.

Den Südteil, der wegen seiner boomenden Wirtschaft zu den "Tigerstaaten" gezählt wird, verbindet man mit den Begriffen Megastädte, Wachstum und Kapitalismus. Blickt man jedoch in die 3000-jährige Geschichte des Landes zurück, als die verfeindeten Bruderstaaten noch ein einiges Königreich unter der Herrschaft verschiedener Dynastien war, so tut sich ein wahres Wunderland kultureller Schätze auf. Einen Aspekt beleuchtet jetzt das Museum für Lackkunst in Münster: "Ästhetik in Vollendung" lautet der Titel einer Ausstellung, die Lackkunst Koreas vorstellt. War bislang im Westen eher die traditionelle Lackkunst aus China – dort lagen vor rund 3500 Jahren ihre Anfänge – und Japan präsent, so erschließt diese Ausstellung einen weniger bekannten Zweig dieses Kunsthandwerks. Auch in Korea hatte man sich zur Zeit des Vereinigten Silla-Reiches (57 vor bis 935 nach Christus) zunächst an der chinesischen Lackkunst orientiert. Erst im Königreich Goryeo (918 bis 1392), von dem sich der Name Korea ableitet, erlangte die Verwendung von Perlmutt eine dominierende Rolle und führte zu eigenständigen Stil- und Ausdrucksformen. Aus dieser Periode sind in der Ausstellung Raritäten zu bewundern, die nur noch in etwa 30 Exemplaren weltweit existieren. Auf die Goryeo folgte die Joseon-Dynastie (1392 bis 1910), die die Lackkunst bis ins 20. Jahrhundert fortführte.

Überbordende florale und abstrakte Elemente

Sogar in den Mutterländern der Lackkunst, China und Japan, schätzte man koreanische Perlmuttintarsien, die sich durch äußerste Akkuratesse und betörende Ästhetik auszeichnen. Trinkgefäße, Kästen, Möbel, Dinge des alltäglichen Lebens wie Schminkutensilien oder ein Nähkästchen sind mit einer überbordenden Fülle an floralen Elementen, abstrakten Ornamenten und Tierdarstellungen kunstvoll überzogen.

Nichts für den Normalbürger

Derlei Preziosen waren natürlich für den Normalbürger des Königreiches unerschwinglich. "Die wesentlich vom Buddhismus und einem Faible für das Außergewöhnliche geprägte aristokratische Kultur ließ auch unter den Wohlhabenden des Reiches einen extravaganten Geschmack erwachsen", schreibt Patricia Frick im Katalog zur Münsteraner Ausstellung. "Und so waren erlesene Produkte von kunsthandwerklicher Perfektion begehrte Luxusgüter unter den Adligen und Reichen des Landes."

Ästhetik in Vollendung. Lackkunst aus Korea

Bis 27. Januar 2013; Katalog: Hirmer Verlag, 39,90 Euro
http://www.museum-fuer-lackkunst.de/