Norman Forster - Lenbachhaus München

Das wird eine turbulente Zeit

Der britische Stararchitekt Norman Foster baut das Münchner Lenbachhaus um – das ehrgeizige Projekt kostet rund 56 Millionen Euro.
"Das wird eine turbulente Zeit":Norman Foster baut das Münchner Lenbachhaus um

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Spätestens seit dem Bau der spektakulären Berliner Reichstagskuppel gilt der britische Stararchitekt Norman Foster als Spezialist für historische Gebäude. Bald wird er auch München seinen Stempel aufdrücken. Für 56 Millionen Euro wird das Lenbachhaus mit der weltberühmten Sammlung des "Blauen Reiters" nach Plänen Fosters umgebaut und erweitert.

Während derzeit auf Hochtouren die letzten Vorbereitungen für die größte internationale Kandinsky-Ausstellung seit 30 Jahren im unterirdischen Kunstbau des Lenbachhauses laufen, stehen oben schon erste Kisten bereit. Mit Ende der Ausstellung "Kandinsky – Absolut. Abstrakt" (25. Oktober 2008 bis 22. Februar 2009) wird das Lenbachhaus in Etappen im Frühjahr komplett leergeräumt. "Das wird eine turbulente Zeit", meint Direktor Helmut Friedel.

Neuer Eingang und eine großzügige Halle

Die Ende des 19. Jahrhunderts im toskanischen Stil erbaute gelbe Villa, die mehrmals erweitert wurde, muss dringend saniert werden. Der Umbau beginnt im Mai/Juni 2009 – zunächst mit einem Abriss. Für den von Foster geplanten kubusförmigen Anbau muss ein 1972 errichteter Erweiterungsbau des Lenbachhauses weichen. Foster will mit seinem Anbau einen neuen Eingang und eine großzügige Halle schaffen, die Platz für Vortrags- und Lesesaal, Museumsshop und Café bietet. Derzeit dient die schmale geschwungene Treppe zum Garten und das enge Foyer der Villa als Haupteingang. Doch damit können die Besucherströme schon lange kaum mehr bewältigt werden.

Als das Lenbachhaus Ende der zwanziger Jahre zu einem Museum umgewandelt wurde, rechnete man noch mit wenigen tausend Besuchern pro Jahr. Heutzutage zieht das Haus mit seiner einzigartigen Sammlung von Bildern von Kandinsky, Paul Klee, August Macke und Franz Marc jährlich rund 200 000 Besucher an. Allein zur großen Kandinsky-Ausstellung werden 400 000 Besucher erwartet. In einer Sonderschau zeigt das Museum vom kommenden Dienstag an die Entwürfe Fosters für das Lenbachhaus sowie für andere Gebäude, etwa das British Museum in London und das Moskauer Puschkin-Museum.

Diskussionen gibt es über die Fassade des Anbaus

Über Architektur lässt sich immer gut streiten. Und so ist auch beim Münchner Lenbachhaus-Projekt noch nicht jedes Detail festgelegt. Diskussionen gibt es vor allem über die Fassade des Anbaus. Foster hat sie aus vertikalen, bronzefarbenen Stäben geplant, die die Fassade entsprechend ihren zwei Stockwerken strukturieren. Eine Fassade aus bunten Glaskeramikstäben ist auch das charakteristische Element des Brandhorst-Museums, das im Frühjahr im Münchner Kunstareal seine Pforten öffnen soll. Bei Fosters Lenbachhaus-Anbau ist noch unklar, ob die Stäbe aus Messing oder Bronze-Imitat angefertigt werden, ob sie glänzend oder dunkel, eckig oder rund sein sollen.

Friedel hofft, dass der Umbau bis Ende 2011 fertiggestellt wird und das Museum im Frühjahr 2012 wieder eröffnet werden kann. Während der Sanierung werden alle Kunstwerke in einem speziell errichteten Depot in München gelagert. Bis 1929 war das Lenbachhaus übrigens weiß gestrichen. Doch die Idee, das warme toskanische Gelb wieder zu übertünchen, gab man schnell wieder auf.

Dorothea Hülsmeier, dpa

"Kandinsky – Absolut. Abstrakt"

Termin: 25. Oktober 2008 bis 22. Februar 2009, Lenbachhaus, München.
http://www.lenbachhaus.de/

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