Olympiapark - München

Verfall eines Wahrzeichens

Der Unmut über den Zustand des ehemals hochgelobten Münchner Olympiaparks ist groß. Die Boulevardpresse schreibt sogar von einer Sperrmüllsammelstelle. Ein Generalplan muss her, der sowohl die Investoren als auch die Münchner überzeugt.
Verfall eines Wahrzeichens:Die Krise des Münchner Olympiapark

Der Münchner Olympiapark soll umstrukturiert werden

Der Münchner Olympiapark, weltberühmt wegen seiner schwungvollen Zeltdächer, steckt in der Midlife-Crisis. Ein hysterischer Aufschrei über den angeblichen Zustand des Leichtathletikstadions ging vor nicht allzu langer Zeit durch die Boulevardpresse: "Wie auf einer Sperrmüllsammelstelle liegt Gerümpel herum, geht Blech aus seinen Fugen, verschmiert von Graffiti. Taubendreck überall."

Fritz Auer vom Architekturbüro Auer + Weber, der auch Urheberrechte am Ensemble besitzt, beruhigt: Teilweise handle es sich bei den bemängelten Schandflecken am Stadion um eine Baustelle. Tatsächlich ist jedoch der Olympiapark, den bayerische Denkmalschützer gerne als Architekturikone der Spiele von 1972 auf der Liste des Weltkulturerbes sehen würden, seit dem Auszug der Fußballer von Bayern München in die Allianz-Arena deutlich ins Abseits geraten. Gerade die Ränder des Parks, wohin sich selbst bei Strahlewetter kaum ein Tourist mehr verirrt, drohen zu veröden. Durch eine Indiskretion ist die ausgerechnet bei Auer + Weber von einem Investor in Auftrag gegebene Studie für eine Bebauung der heruntergekommenen Nordostecke des Parks an die Öffentlichkeit geraten.

Hotelkoloss und Parkhochhaus?

Wie man architektonische Flaggschiffe der Siebziger ästhetisch wieder flott machen kann, bewies die vom Olympiapark durch den Petuelring getrennte Zentrale des BMW-Konzerns. Nach der Eröffnung der spektakulären BMW-Welt wurde jetzt Ende Juni das umgebaute BMW-Museum stolz der Öffentlichkeit präsentiert. Außen blieb die silbrige "Suppenschüssel" (1973) von Karl Schwanzer quasi unangetastet, im Innern hat man die Seventies-Düsternis zugunsten einer von Kunstlicht durchfluteten Multia-Media-Kulisse für die "automobilen" Exponate beseitigt. Wilfrid Spronk, Manager des Olympiaparks, bestätigt die Wünsche nach einer auch kommerziellen Umstrukturierung des teils unattraktiv gewordenen Geländes: "Hinsichtlich des Bereiches um den Olympiaturm gibt es Überlegungen, aber keine Planungen, hier zusammen mit der Technischen Universität eine sporttherapeutische Präventionsklinik, ein Museum über die Geschichte des Olympiaparks und eventuell ein kleines Hotel zu errichten."

Niemals seien aber, wie auch schon in der Gerüchteküche hochgekocht, ein Wellnesshotel, ein 5-stöckiger Hotelkoloss oder ein Parkhochhaus anvisiert gewesen sein. "Aber man muss doch wie in der Politik zumindest in die Zukunft denken dürfen", verteidigt sich Fritz Auer. Sollte München den Zuschlag für die Winterspiele 2011 erhalten, könnten sich die bereits mit einer Machbarkeitsstudie befassten Architekten Albert Speer und Partner im Olympiapark profilieren. Doch selbst dann wird man nicht um einen Generalplan herumkommen, was außerhalb der kurzen Olympischen Zeiten mit dem teils maroden Terrain und den phänomenalen Bauten von Günter Behnisch geschehen soll. Alles andere wäre billiges Flickwerk.

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