Guggenheim Helsinki - Entwürfe

Mercedes der Kunstwelt

Für Guggenheim-Maßstäbe erstaunlich unspektakulär sind die prämierten Entwürfe für die Expansion des Museums nach Helsinki. Womöglich sollen so die Kritiker besänftigt werden, denen die amerikanische Stiftung zu unfinnisch ist. Ob das Haus je gebaut wird, bleibt weiterhin offen.
Mercedes der Kunstwelt

Tischtuch auf Sporthalle: Finalistenentwurf für das Guggenheim Helsinki

Ein grauer Flecken mitten in der finnischen Hauptstadt – aber in bester Lage am Wasser – wird derzeit vor allem als Parkplatz genutzt. Nach Wünschen der Guggenheim-Stiftung und einiger finnischer Politiker soll sich das bald ändern. Der Platz ist für den potentiellen Bau des Guggenheim Helsinki reserviert, der hier in einigen Jahren als weiterer Ableger des New Yorker Mutterhauses entstehen soll.

Die amerikanische Stiftung hat Häuser in New York, Venedig und Bilbao. Sie arbeitete in Berlin mit der Deutschen Bank zusammen und baut derzeit eine Dependance in Abu Dhabi. Guggenheim ist längst zu einer globalen Marke geworden. Die sozialdemokratische Politikerin, Architektin und Guggenheim-Helsinki-Kritikerin Kaarin Taipale sagt deshalb: "Sie gebären sich, als wären sie Mercedes. Sie treten auf wie ein Konzern." Dazu passt, dass das Projekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten bisher weniger wegen interessanter kuratorischer Ideen, als vielmehr wegen schlechter Arbeitsbedingungen auf der Baustelle auf sich aufmerksam machte.

In Helsinki wird zwar noch gar nicht gebaut, aber vor einigen Tagen wurden die sechs besten Ideen des internationalen Architektenwettbewerbs präsentiert, an dem sich über 1700 Büros beteiligten. Während das Guggenheim in Bilbao und Abu Dhabi nicht nur auf spektakulären Bau, sondern auch auf den prominenten Architekten Frank Gehry setzte, dürften die Namen auf der Shortlist für Helsinki der allgemeinen Öffentlichkeit nicht bekannt sein: AGPS Architecture, Asif Khan, Fake Industries Architectural Agonism, Moreau Kusunoki Architect, SMAR Architecture Studio und Haas Cook Zemmrich STUDIO2050. Zwar soll das Gebäude, genau wie in Bilbao und Abu Dhabi, ein neues Wahrzeichen werden und Touristen aus aller Welt anlocken, doch die Finalisten glänzen diesmal mit – für Guggenheim-Verhältnisse – erstaunlich zurückhaltenden Entwürfen, die zwar wenig bis gar keinen Bezug auf ihre städtische Umgebung nehmen, die Stadtkulisse aber weder gestalterisch noch von den Dimensionen her in den Schatten stellen dürften.

Vier von sechs Finalisten erinnern an Markt- oder Sporthallen. Einer lässt mit teiltransparenter Fassade, den Bau an ein von einem Gazetuch bedeckten Tisch erinnern. Nur zwei Entwürfe scheinen in die Höhe zu gehen: Ein aus fünf Türmen zusammengesetzter Klotz, der an eine klobige Blütenstilisierung erinnert, müsste ewig als Fremdkörper im sonst dezenten Helsinki wirken. Der andere, eine Art Sparversion der Hamburger Elbphilharmonie, wird zwar mit flacheren Gebäuden kombiniert und dürfte sich deshalb besser in die niedrige Skyline der finnischen Hauptstadt einfügen. Wie der große Wurf wirkt aber auch dieser Vorschlag nicht. Noch ist der Wettbewerb übrigens anonym – welcher Architekt für welchen Entwurf verantwortlich ist, wird erst bekannt gegeben, wenn der Gewinner feststeht.

550 000 Besucher sollen jährlich in das neue Museum kommen

Von einem neuen Wahrzeichen für die finnische Hauptstadt war bei der Guggenheim-Stiftung die Rede. Aufmerksamkeit, Touristen und damit Geld soll Guggenheim Helsinki bringen. "Kultur gehört zu den wichtigsten Schlüsselfaktoren der Stadt", sagt Ritva Viljanen, Bürgermeisterin für Kultur. Ein eigenes Guggenheim Museum könne der Stadt helfen, auf diesem Feld international zu punkten. Und weil davon alle profitieren, sollte die öffentliche Hand sich auch engagieren, so Viljanen.

Weit über 100 Millionen Euro wird allein der Bau kosten, dazu kommen Lizenzgebühren von 20 Millionen Euro, die an die Guggenheim-Stiftung zu zahlen sind, sowie die laufenden Kosten. Nach Berechnungen von Guggenheim profitieren Finnland und Helsinki trotzdem auch finanziell. 550 000 Besucher könnten jährlich in das neue Museum kommen, heißt es. Die durch den Tourismus steigenden Steuereinnahmen sollen die Ausgaben kompensieren. Ob das wirklich funktioniert, wird sich aber erst in der Praxis zeigen können.

Gegner wie Kaarin Taipale und die Organisation Checkpoint Helsinki hoffen weiter, dass der Bau am Ende doch nicht genehmigt wird. Schließlich wurde das Projekt bereits im ersten Anlauf 2012 von einer politischen Mehrheit abgelehnt. Mehr Kunst in Helsinki wollen natürlich auch viele der Guggenheim-Gegner sehen. Aber statt Klassischer Moderne und Etablierten wünschen sie sich, dass Helsinki die Avantgarde zeigt und vor allem Arbeiten in Auftrag gibt. Das, so die freie Kuratorin Marita Muukkonen, sei nämlich auch ohne Museumsneubau und den damit verbundenen Kosten möglich.

Guggenheim Helsinki Design Competition

Die sechs Finalisten werden auf der Internetseite des Wettbewerbs präsentiert.
http://designguggenheimhelsinki.org/