Plätze in Deutschland - Stadtplanung

Achtung: Stadtplaner am Werk!

Eine Wanderausstellung demonstriert eindrucksvoll, wie Stadt- und Verkehrsplaner in den Nachkriegsjahren Plätze zu reinen Verkehrsknotenpunkten ohne jegliche Lebensqualität degradierten

Der Krieg ist an allem schuld. Das gilt als umumstößliche Wahrheit, was in vielen Fällen ja auch zutrifft. Bomben und Feuer vernichteten ganze Stadtteile, aber nicht alles fiel den Sprengstoffattacken zum Opfer, sondern auch dem Bauboom der Nachkriegszeit.

Eine kleine Wanderausstellung dokumentiert mit eindrucksvollen Fotos, was auf deutschen Stadtplätzen zwar den Krieg überstand, aber nicht die Erneuerungswut von Stadtplanern und Bauherren.
In der Ausstellung "Plätze in Deutschland 1950 und heute – Eine Gegenüberstellung", organisiert vom Institut für Stadtbaukunst der TU Dortmund und Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf E. Breuer, sieht man erschreckende, abstoßende Beispiele. Manchmal sind es ja nur Kleinigkeiten: Prächtig erhalten war ein Ensemble aus historistischen Gebäuden am Bielefelder Schillerplatz, eines davon das Stadttheater. Es steht immer noch, aber wo 1962 noch Autos fahren und Fußgänger flanieren konnten, schiebt sich jetzt ein brutaler Gleisstrang der Stadtbahn in den Untergrund.

Oldenburg: Straße statt Fluss

Noch schlimmer erwischte es den Bonner Hauptbahnhof. War das schöne Gründerzeitgebäude noch 1955 umgeben von Wohnhäusern aus derselben Zeit, steht er jetzt vis-à-vis eines horrenden Nutzbunkers. Und wo am Franckeplatz in Halle/Saale noch völlig intakte Stadtarchitektur stand, winden sich auf dicken Betonträgern zwei Hochstraßen. Eines der schlimmsten Beispiele: 1955 war der "Stau" eine idyllsche Uferstraße der Hunte in Oldenburg/Schleswig-Holstein. Den "Stau" gibt es noch, aber heute ist der Fluss in den Untergrund verbannt, wo einst Boote dümpelten, fahren jetzt Autos über eine zweispurige Straße.

Plätze wurden zu Verkehrsknotenpunkten

"Schon immer waren Plätze auch Knotenpunkte im Verkehrsgefüge der Stadt. Die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer waren weitgehend gleichberechtigt", sagen die Organisatoren der Ausstellung. "Zugleich blieb der Platz ein nach ästhetischen Gesichtspunkten gestalteter Ort des Verweilens." In den fünfziger Jahren aber wurde dem "motorisierten Verkehr die führende Rolle zugestanden". Stadtautobahnen, breite Straßendurchbrüche sowie komplexe Systeme aus Hochstraßen, Tunneln und Rampen entstanden in der Folge. "Viele Plätze wurden zu reinen Verkehrsknotenpunkten ohne jegliche Aufenthaltsqualität."

Plätze in Deutschland 1950 und heute – Eine Gegenüberstellung

Nürnberg, Offenes Büro (Lorenzer Straße 20), bis 19. Februar. Anschließend: Freiburg (Februar), Berlin (April), Gütersloh (Mai), Stuttgart (Juni)
http://www.stadtbaukunst.tu-dortmund.de/cms/de/Veranstaltungen/Plaetze/index.html

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