Philipp Oswalt - Bauhaus Dessau

International mehr Strahlkraft

Philipp Oswalt, 44, Architekt und Theoretiker aus Berlin, wird ab März die Leitung der Stiftung Bauhaus Dessau übernehmen. Der bisherige Direktor Omar Akbar übergibt nach zehn Jahren die Führung der Institution an den jüngeren Kollegen. Oswalt lehrt seit 2006 Architekturtheorie in Kassel. Er tritt sein neues Amt im 90. Gründungsjahr des Bauhauses an. Ein Gespräch über die internationale Bedeutung des Bauhauses und die Pläne des neuen Stiftungs-Chefs.
Neustart im Jubiläumsjahr:Philipp Oswalt über die neuen Pläne

Neuer Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau: Philipp Oswalt

Herr Oswalt, was wird Ihr Beitrag zu den Feierlichkeiten sein?

Philipp Oswalt: Die Eckpunkte sind zwar schon gesetzt, ich kann mich aber trotzdem noch einbringen. Wichtig ist mir, dass der Mythos Bauhaus nicht den Blick auf die Realgeschichte verstellt und dass nur schöne, klassische Objekte präsentiert werden. Mir schwebt ein Beitrag zur weltweiten Migrations- und Wirkungsgeschichte der Bauhäusler vor. Spätestens 1933 wurden die Akteure in alle Winde verstreut; die Geschichte des Bauhauses war immer auch eine Geschichte von Vertreibungen und Verfolgungen. Man war immer wieder zur Selbsterneuerung gezwungen.

Was wollen Sie selbst als Direktor erneuern?

Ich möchte die internationale Strahlkraft des Bauhauses Dessau ausbauen und den Kontakt zu Nachfolgeeinrichtungen in Chicago, Tel Aviv oder Berlin suchen. Das hat es bislang so noch nicht gegeben. Es wird zwar nicht gelingen, bedeutende Experten dauerhaft in die deutsche Randlage zu locken, aber ich sehe uns künftig als Schauplatz von Kooperationen mit renommierten Hochschulen. Dessau ist ein idealer Arbeitsort, mit einem klösterlichen Klima.

In den 30er Jahren war Dessau eine industrielle "Boomtown", heute überwiegt die Verödung. Haben Sie Rezepte dagegen?

Das Motto meines Programms ist Bildung. Ich setze auf Bildungs- und Architekturtouristen, denn allein die Architektur ist atemberaubend. Oft belächeln wir den Tourismus, aber das ist verkehrt, denn wir sind alle
ständig irgendwo Touristen.

Ein wichtiger Tourismusfaktor in Dessau ist die Meisterhaussiedlung. Wie ist Ihr Standpunkt in der hitzig geführten Debatte um Rekonstruktion oder Neubau des Meisterhauses von Walter Gropius?

Ich bin ja eher ein Rekonstruktionsskeptiker, das habe ich mit meinem Engagement gegen den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses auch schon gezeigt. Für Dessau scheint noch nicht alles zu spät zu sein, obwohl es eine starke lokale Lobby für den originalgetreuen Wiederaufbau gibt. Zum Teil haben sich die Akteure der Planungen bereits bei mir gemeldet. Nach meiner Meinung steht und fällt alles mit einem ausgereiften Nutzungskonzept für das neue Gropiushaus. Kurios ist, dass es bislang kein klares Nutzungskonzept gibt - wie beim Berliner Schloss. Hier möchte ich ansetzen.

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