Doris Salcedo - Tate-Installation

Kontrolle durch Trennung und Abgrenzung

Im Rahmen der Unilever Series bespielt die kolumbianische Bildhauerin Doris Salcedo die gewaltige Turbinenhalle der Tate Modern London

Die kolumbianische Bildhauerin Doris Salcedo, 59, hat den Fußboden der Eingangshalle in der Tate Modern in London buchstäblich aufgerissen. Für ihre Arbeit "Shibboleth" hat sie in den polierten Beton einen Graben hacken lassen, der sich durch die gewaltige ehemalige Turbinenhalle schlängelt, ganze 167 Meter lang. Der Graben beginnt am oberen Ende der Halle als haarfeiner Riss, der sich dann ständig verbreitert und vertieft.

Gegen Ende ist er etwa 25 Zentimeter breit und einen halben Meter tief. In die wie Felsformationen aussehenden Seiten des Grabens ist Maschendraht eingelassen, das, wie die Künstlerin sagt, "beliebteste Material, um durch Trennung und Abgrenzung Kontrolle auszuüben." Ihre Arbeit, so fährt sie fort, "handelt von Grenzen, von der Erfahrung von Einwanderern, von der Erfahrung von Rassentrennung und von Rassenhass."

Salcedo ist die achte Künstlerin, die in einer von Unilever gesponserten Serie die Turbinenhalle bespielen darf. Vor ihr waren unter anderem Olafur Eliasson, Rachel Whiteread und Carsten Höller dran. Am Ende der Laufzeit der Schau wird der Graben wieder geschlossen und der Fußboden der Tate wird auf ewige Zeiten eine Narbe aufweisen.