Rising Currents - MoMa New York

Land unter in New York

Droht New York bald eine Flutkatastrophe? Das New Yorker MoMA präsentiert Antworten von Architekten, Landschaftsplanern und Ökologen zum drohenden Klimawandel.
Droht New York eine Flutkatastrophe?:"Rising Currents" im New Yorker MoMA

Ökologische Zukunftsvision für Lower Manhattan von dem Architecture Research Office und Dlandstudio

New Yorks Wahrzeichen Lady Liberty steht mit nassen Füßen auf ihrer überfluteten Insel. Die Banker von der Wall Street paddeln mit dem Kajak zur Arbeit. Einige Nachbarschaften stehen komplett unter Wasser. Was nach einem Katastrophenfilm aus Hollywood klingen mag, kann nach Berechnung von Klimaforschern in der nahen Zukunft von zirka 70 Jahren Realität sein.

Die auf Grund der Erderwärmung schmelzenden Polarkappen haben einen erhöhten Meeresspiegel und stärkere Stürme zur Folge. Doch düstere Prognosen wie diese werden in den USA, wo Global Warming gern als eine von linken Umweltschützern kreierte Lügengeschichte abgetan wird, nicht wirklich ernst genommen. Dass sich gerade eine Hafencity wie New York eine solche Ignoranz nicht leisten kann, führt die Ausstellung "Rising Currents: Projects for New York's Waterfront" im Museum of Modern Art vor. Das Projekt lief bereits im November im Ableger des MoMA, dem P.S. 1 in Queens, an. Bei einem achtwöchigen Workshop arbeiteten fünf aus Architekten, Landschaftsplanern und Ökologen bestehende Teams ihre Entwürfe für die unterschiedlichen Gebiete in New York, Brooklyn und New Jersey aus, die vom höheren Wasserpegel betroffen sein werden.

Es sei die positive Folge der Wirtschaftsflaute, dass Architekten wieder mehr Zeit haben, sich innovativen Ideen für die Zukunft zu widmen, so das MoMA in einer Presseerklärung. Die Stadtverwaltung hat unter Bürgermeister Michael Bloomberg ebenfalls einen Report zu den Folgen der Klima-Erwärmung vorgelegt und meldete großes Interesse an den Entwürfen an. Die Untersuchung von der Stadt, die von Fachleuten an der Princeton Universität vorgenommen wurde, kommt zum gleichen Ergebnis wie die MoMA-Teams: Von sogenannten weichen Infrastrukturen wie Feuchtgebieten, Riffen oder künstlichen Inseln verspricht man sich heute größere Erfolge als von klassischen Sturmwällen.

"Ein globales Problem auf lokale Weise lösen"

So sieht der Entwurf des Architecture Research Office (ARO) Feuchtgebiete vor, die sich von Lower Manhattan in den East und Hudson River ausdehnen. Wie grüne Finger oder Schwämme breiten sie sich aus, um Wasser in sich aufzusaugen. Manhattans Straßen wurden mit einer perforierten Oberfläche versehen, die Regenwasser aufnehmen kann. Abwasserkanäle, Gas- und Stromleitungen befinden sich im Gewölbe unterhalb der neuen Straßenhaut, die für Reparaturen einfach entfernt wird. Das Büro von Michael Baird Architects konzentrierte sich auf eine Ölraffinerie in New Jersey. Den Voraussagen zufolge wird die Anlage vom Wasser verschlungen werden. Für die Gegend schlägt das Team ein System von Piers und Werkanlagen vor. Hier soll mit Hilfe von Abwassern Bio-Treibstoff aus alten Öltanks hergestellt werden. Eine der Fabriken wird Altglas in Blöcke verwandeln, aus denen wiederum künstliche Riffe entstehen. Die Glasriffe im Hafen bremsen Sturmwellen ab – und funktionieren gleichzeitig als neuer Unterwasser-Lebensraum.

Um Landzungen, Buchten, Piers und Kanäle zu schaffen, dehnt LTL Architects Manhattans Küste weiter bis nach New Jersey aus. Es entsteht eine Wasserlandschaft, die für Fischzucht, Bio-Anbau und als Freizeitpark genutzt werden kann. Ein anderer Vorschlag erweitert Brooklyn mit künstlichen Inseln und Wohnhäusern auf Stelzen in das Wasser. Statt in die U-Bahn steigen die New Yorker in mit Biogas betriebene Fähren. Ziel ist es, mit der Natur, anstatt gegen sie zu arbeiten. Landschaftsarchitektin Kate Orff ließ sich von der Vergangenheit inspirieren, in der New York als die Austern-Hauptstadt der Welt galt. Noch 1850 waren Austern der größte Geschäftszweig von New York. Ausgerechnet den total verschmutzten Gowanus-Kanal in Brooklyn nahm sich Kate Orff vor. Austernfarmen reihen sich in ihrem Entwurf aneinander. Muscheln und Seegras sollen die Wasserqualität verbessern, die Austernriffe bieten Schutz vor Flutwellen.

"Wir versuchen, ein globales Problem auf lokale Weise zu lösen", meinte Kurator Barry Bergdoll bei der Ausstellungseröffnung. Dass der Metropole New York ein Schicksal wie Venedig bevorsteht, muss nicht der Untergang sein, sondern kann als Chance gesehen werden. Kritiker werden bemängeln, dass die vorgestellten Ideen zu radikal sind und zu hohe Kosten verursachen. Stellen Sie sich vor, dass Sie während eines Regensturms in ihrem Auto auf dem Henry Hudson Parkway sitzen, der bereits heutzutage bei Regen überflutet, entgegnete Architektur-Kritiker Justin Davidson im New York Magazine. "Wenn sich Ihr Auto in ein U-Boot verwandelt, werden Sie sich auf einmal ein Austernriff herbeisehnen."

"Rising Currents: Projects for New York's Waterfront"

Termin: bis 11. Oktober, MoMA, New York
http://www.moma.org/explore/inside_out/category/rising-currents

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