Home Delivery - MoMa New York

Individuelle Fertighäuser der Zukunft

Wohnen nach dem Baukastenprinzip: Am Sonntag eröffnet "Home Delivery: Fabricating the Modern Dwelling" in New York – eine Architekturausstellung mit Fertighäusern. Insgesamt fünf Projekte wurden ausgewählt, die auf einem Grundstück neben dem MoMA realisiert wurden. Ein weiterer Teil der Ausstellung sind visionäre Entwürfe großer Pioniere der Moderne.
Wohnen nach dem Baukastenprinzip:Individuelle Fertighäuser der Zukunft

Visionäres Vorgängermodell: Zvi Hecker, "
Ramot Housing", 1972-85


Seit Jahrzehnten kommen Schuhe, Möbel und Autos vom Fließband. Warum geht das eigentlich nicht auch mit Häusern? Diese Frage faszinierte Architekten der Moderne wie Walter Gropius, Frank Lloyd Wright und Marcel Breuer. Sie begannen, mit Wohnungsbau nach dem Baukastenprinzip zu experimentieren.

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Strecken Teaser

Ihre teils praktischen, teils utopischen Ideen sind jetzt im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) unter dem Titel "Home Delivery: Fabricating the Modern Dwelling" (etwa: Lieferung frei Haus: Fertigung moderner Wohnungen) zu sehen. Die Ausstellung, die am Sonntag (20. Juli) öffnet, zeigt auch das begehbare "Micro Compact Home" des deutschen Architektenteams Haack & Höpfner in Originalgröße.

Dem Beginn von Fertighäusern ein historisches Datum zuzuordnen, ist schwierig. Bereits 1833 konnten britische Kolonialisten industriell vorgefertigte Häuser nach Australien einschiffen. 1908, ein Jahr nachdem bei Ford das erste berühmte "Model T" vom Band lief, ließ sich der Erfinder der Glühbirne, Thomas Edison, ein Patent auf das "Single Pour Concrete House" geben. In den frühen 30er Jahren sorgten in Deutschland so genannte "Allkupferhäuser" für Furore. Sie konnten von fünf Arbeitern innerhalb von 24 Stunden aufgestellt werden.

"Home Delivery" zeigt neben historischen Filmen, Dokumenten und Blaupausen auch visionäre Modelle. Der Amerikaner Buckminster Fuller stellte sich die Zukunft des Wohnens in den 1940er Jahren im "Dymaxion"-Haus vor. Es wirkte wie eine Art fliegende Untertasse und sollte sich leicht demontieren, verpacken und mitnehmen lassen, wenn die Familie umzog. Der japanische Architekt Kisho Kurokawa entwarf in den 1970er Jahren für seinen Nakagin Capsule Tower in Tokio vorfabrizierte Wohneinheiten, die als Module je nach Bedarf ineinander gehängt werden konnten. Beide Ideen setzten sich allerdings nicht durch.

Ein recyclebares Haus – komplett aus Sperrholz

Während Fertighäuser nach dem Zweiten Weltkrieg als schnelle und kostengünstige Lösung für den Traum vom Eigenheim gesehen wurden, legen zeitgenössische Architekten beim Thema Fertighaus andere Maßstäbe an. Fünf innovative Fertighäuser im Originalformat stehen als Teil der Ausstellung im angrenzenden Grundstück des MoMA. Statt Massenanfertigung geht es um den höchst möglichen Individualismus, wie das der Entwurf "Burst 008" der australischen Architekten Jeremy Edmiston und Douglas Gathier zeigt. Bei der Wahl der Materialien stehen Umweltfreundlichkeit und Wiederverwertbarkeit ganz oben auf de Liste: Das "Cellophane House" der Amerikaner Stephen Kieran und James Timberlake ist nach Benutzung vollkommen recyclebar, Studenten des renommierten Massachusetts Institute of Technology bauten ihr digital entworfenes Haus für New Orleans ganz aus Sperrholz.

"Temporäres Bauen" sieht die Münchner Architektin Lydia Höpfner deshalb auch in der Zukunft der Architektur. Ihr "Micro Compact Home", das sie mit John Höpfner und dem britischen Architekten Richard Horden entwickelt hat, ist ein sieben Quadratmeter großer "Wohnwürfel" komplett mit Dusche, Klo, Küche, Tisch, Bett, Stuhl und Schrank. Es konzentriert sich auf das wichtigste und kann ganz leicht per Autoanhänger mitgenommen werden. Die Belastung für die Umwelt ist deshalb minimal. Mehrere Prototypen fungierten bereits als Studentenwohnungen in München-Freimann. Für die Architektin stellt ihr Entwurf die ultimative Mobilität dar. "Es ist ein bisschen wie
ein Schrankkoffer, auch wenn man in eine andere Stadt zieht, kann man alles mitnehmen, was man besitzt ohne sich wirklich zu verändern." So bekommt der Ausdruck "Frei Haus" eine ganz neue Bedeutung.

Carla S. Reissman, dpa

"Home Delivery: Fabricating the Modern Dwelling"

Termin: 20. Juli bis 20. Oktober, Museum of Modern Art (MoMA), New York.
http://www.momahomedelivery.org/

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