Porsche-Museum - Stuttgart

Fast so viel Stahl wie am Eiffelturm

In wenigen Tagen eröffnet das Porsche-Museum des Architekten-Duos Elke Delugan-Meissl und Roman Delugan: eine Luxus-Garage für 80 histori­­sche Porsche-Modelle, die in einem einzi­gen stützenfreien, hohen Saal auf mehreren Ebenen gezeigt wer­den.
Luxus-Garage:Das neue Porsche-Museum zeigt 80 Porsche-Modelle

Spektakulär: Das neue Stuttgarter Porsche-Museum ruht auf drei gewaltigen Stützen – eine Rolltreppe führt in die große, strahlend weiß gehaltene Ausstellungshalle, wo legendäre Porsche-Modell zu sehen sind

Eigentlich ist das neue Porsche-Museum, das am 31. Januar eröffnet wird, kein Haus, sondern eine Brücke – zumindest, wenn man es aus der Perspektive der Ingenieure betrachtet. Denn die auf drei Stützen schwebende weiße Blase, für die 6000 Tonnen Stahl verbaut wurden (für den Eiffelturm waren es 7300 Ton­nen), konnte nur dank modernster Konstruktionsmethoden aus dem Brückenbau rea­lisiert werden. "Vor fünf Jahren", so der Wiener Architekt Roman Delugan, "hätte dieses Gebäude so nicht entstehen können."

In einer Art Nestbautechnik mit 12 000 unterschiedlich geformten Stahlträgern wurde die große, vielfach geknickte Halle so konstruiert, dass die 80 histori­­schen Porsche-Modelle in einem einzi­gen stützenfreien, hohen Saal auf mehreren Ebenen gezeigt wer­den können. Eine spiralförmige Straße, die im selben strahlenden Weiß gehalten ist wie der In­nenraum, führt in einer leichten, verwinkelten Steigung an der Außenwand auf die drei Ausstellungsebenen. Unterschied­liche Treppen – steile, flache, schmale, breite – überbrücken zusätzlich die Höhenunterschiede.

Noch spektakulärer als die Innenwelt mit ihrer Gletscherhöhlen-Schönheit stellt sich das Äußere des auf geschätzte 100 Millionen Euro teuren und rund 24 000 Quadratmeter großen Automuseums dar. Mit ihm leistet sich Porsche als Letzter der großen deutschen Autobauer (nach Volkswagen, Daim­ler und BMW) eine Erlebnisarchitektur als Visitenkarte. Auch hier setzen große Knicke und eigenwillige Kanten einen Ge­genakzent zur Porsche-Schule der eleganten Kurven, entwickeln dabei aber ihre ganz eigene dynamische Linie. Da der Baukörper hochgestemmt ist, bis zu 60 Meter frei schwebend auskragt und eine abstrakt organische Form hat, erscheint er wie ein monströser Rochen, der im Wasser steht. Zumal der Bauch des Ausstellungskörpers verspiegelt wurde, was die Meeresassoziation verstärkt.

Um das dreibeinige Gebilde zu betreten, das die späte Erfüllung konstruktivistischer Architekturvisionen der zwanziger Jahre zu sein scheint, geht man unter ihm hindurch zu einem geduckten, natürlich weißen, zackigen Lobbygebäude mit Cafe, Shop und gläserner Oldtimerwerkstatt. Von hier sticht dann eine spitz zulaufende Rolltreppe direkt in den Bauch des schönen Ungetüms.

Wie gewagt diese Architektur tatsächlich war, beschreibt Projektleiter Martin Josst mit einer Anekdote. Als er den Statiker einmal fragte, ob wirklich nichts schief gehen könnte, antwortete dieser: "Ich habe immer einen vollgetankten Porsche vor der Baustelle stehen."

Porsche-Museum

Termin: Eröffnung am 31. Januar, 9 Uhr. Katalog: "Perspektive Porsche Passion Porsche. Die Architektur des Porsche-Museums: Die Automobile im Porsche-Museum", von Claus-Peter Andorka. Piper Verlag, 392 Seiten, 280 Farbfotos und 600 Abbildungen, 99 Euro.
http://www.porsche.com/germany/aboutporsche/porschemuseum/