Einheitsdenkmal - Berlin

Abermals skeptisch

Nachdem die Jury in einem ersten Wettbewerb im vergangenen Jahr keinen brauchbaren Entwurf für ein Denkmal zur deutschen Einheit finden konnte, kürten sie im zweiten Durchgang gleich drei Siegerentwürfe. Der Künstler Stephan Balkenhol, Architekt Andreas Meck und das Architektenbüro Miller und Partner machen das Rennen nun unter sich aus.

Unglücklich wirken die Anstrengungen des Bundestags und der Bundesregierung, in Berlin ein Denkmal zur friedlichen Revolution und zur Deutschen Einheit zu errichten. Schon im Herbst 2007 hatte das Parlament beschlossen, das Denkmal am zentralen Platz in der Nähe des geplanten Berliner Schlosses zu bauen – was folgte, waren Pleiten,
Pech und Pannen. Ein erster Wettbewerb im Frühjahr 2009 brachte zwar 533 Einreichungen, aber nach Jury-Ansicht leider keinen brauchbaren Entwurf. Für den zweiten Anlauf ging man schon strategischer vor: Nach einer ersten Bewerbungsrunde wurden 33 Künstler und Architekten ausgewählt, ihre Entwürfe für das zehn Millionen-Projekt weiter
auszuarbeiten.

Nun hat ein Gremium abermals entschieden und war sich offensichtlich erneut nur insoweit einig, dass es nicht einen Siegerentwurf gibt, sondern drei: eine bewegliche Schalenkonstruktion mit dem Titel "Bürger in Bewegung" von der Projektgemeinschaft der Stuttgarter Architekten Milla und Partner mit der Berliner Choreografin Sasha Waltz, "Der Kniende", eine Großskulptur des Karlsruher Künstlers Stephan Balkenhol, sowie eine offene Säulen-Dach-Konstruktion des Münchner Architekten Andreas Meck: "ein transparentes Dach aus Buchstaben, welches auf Stützen steht, die die Bundesländer repräsentieren", so die Projektbeschreibung.

Abermals ist das Publikum skeptisch: Echte Begeisterung wollte sich bei der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung nicht einstellen: zu flach die Metaphorik, zu bombastisch die Entwürfe für den sensiblen Ort. Das stetig zusammenwachsende Berlin, an dem sich an jedem Tag der Einheitsprozess neu beobachten lässt, ist wohl selbst schon zu sehr zum lebenden Einheitsdenkmal geworden, als dass sich seine Bürger mit nicht vollends überzeugender Denkmal-Architektur zufriedengeben würden.