Sep Ruf

München

Unaufdringlich, sensibel, mediterran
Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, 1952-1954 (© Die Neue Sammlung München. Staatliches Museum für angewandte Kunst. Design in der Pinakothek der Moderne, München)
UNAUFDRINGLICH, SENSIBEL, MEDITERRAN
Das Architekturmuseum in München widmet dem deutschen Star-Architekten des Nachkriegsdeutschlands eine Ausstellung zu seinem 100. Geburtstag
// BIRGIT SONNA

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard hatte für sein neues Tegernseer Ferienhaus dezidiert "etwas Architektonisches" und "nicht so ein Häuserl" gewünscht. Über einen Nachbarn lernte er 1951 einen der wichtigsten Architekten des Nachkriegsdeutschlands kennen: Sep Ruf, der gerade mit seinem Wohnhochhaus in der Münchner Thesesienstraße ein schnörkelloses Paradebeispiel eines vorbildlichen Wiederaufbaus zerbombter Stadtquartiere geliefert hatte. Äußerst zäh zogen sich die Verhandlungen hin, bis in Gmund die Baugenehmigung für den schlichten Horizontalbau mit seinen ausladenden, in der Untersicht holzverschalten Dachvorsprünge erteilt wurde. Oberbayerische Heimathüter rechneten Rufs Bungalow in schönster Hanglage über dem Nordufer des Tegernsees zu den verpönten "Häusern im Garagenstil".

Als Erhard 1963 dann Bundeskanzler wurde, zog er Ruf für den Bau des so genannten "Kanzler-Bungalows" in Bonn heran. Jahrzehnte mussten vergehen, bis der generös verglaste, zweigliedrige Pavillon in seiner sachlichen Noblesse als architektonisches Kleinod und bundesrepublikanisches Leitbild einer menschlich offenen Demokratie akzeptiert wurde.

Am 9. März wäre Sep Ruf 100 Jahre alt geworden. Das Architekturmuseum der Technischen Universität in der Pinakothek der Moderne widmet ihm nun eine längst überfällige Ausstellung. Zu Recht würdigte Architekturhistoriker Nikolaus Pevsner gerade den von Ruf zusammen mit Egon Eiermann errichteten "Deutschen Pavillon" auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel als legitimes Erbe Mies van der Rohes.

In der bayerischen Landeshauptstadt haderte man lange mit dem 1982 gestorbenen Architekturprofessor. Der unaufdringliche Modernismus, die sensible Dezenz der Flachbauten, die Verschränkung von Architektur und Grünanlagen behagten in der auf monumentale Repräsentation geeichten Klassizismus-Residenzstadt nicht sonderlich.

Dabei glückte Sep Ruf zusammen mit dem Kollegen TheoPabst gerade im Verwaltungsbau der mediterranen Münchner "Maxburg" ein Schulterschluss mit der Vergangenheit. Die durch rhythmische Fensterbänder gegliederte Fassade assimiliert sich an einen "Campanile" der Spätrenaissance.

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1 Leserkommentar vorhanden

Stefan P.

10:14

16 / 08 / 08 // 

Mehr Bauhäuser

Dass der aüßerlich barocke Wirtschaftswunderminister soviel Stil und Geschmack besaß, verwundert heute noch. Ebenso, wie beharrlich sich über Jahrzehnte die Deutschen ihren im Ausland bewunderten Bauhäuslern verweigerten und verweigern. Hätte es mehr Sepp Rufs gegeben, sähen die deutschen Städte heute eleganter aus...