Haus der Frau von Stein - Weimar

Ein Dalí-Museum hat hier nichts zu suchen

Die Weimarer Klassik-Stiftung hat den geplanten Verkauf des Hauses der Frau von Stein kritisiert. "Ein Dalí-Museum in Weimar hat an dieser Stelle nichts zu suchen", sagte Hellmut Seemann, Präsident der Stiftung.
Stiftung kritisiert Verkauf des Hauses der Frau von Stein:"Kein Dalí-Museum"

Das Haus der Frau von Stein in Weimar – bald ein Dalí-Museum?

Das Haus gehöre in den "klassischen Kosmos", zitierte am Donnerstag die "Thüringer Allgemeine" Stiftungspräsident Hellmut Seemann. Zu den vom Stadtrat gebilligten Verhandlungen mit einem spanischen Investor, der ein Dali-Museum einrichten will, sagte Seemann in dem Bericht: "Ein Dalí-Museum in Weimar hat an dieser Stelle nichts zu suchen." Der Stadtrat hatte im Juli Verhandlungen mit dem Spanier beschlossen. Die Stiftung hatte nach Angaben der Stadt zuvor einen Kauf des Hauses abgelehnt und sich auch nicht an der öffentlichen Ausschreibung beteiligt.

Seemann sagte am Donnerstag auf Anfrage, die Stiftung habe von der öffentlichen Ausschreibung nichts gewusst. Nach seiner Ansicht hätte die Stadt die Klassik-Stiftung von selber über die Ausschreibung informieren müssen. Seemann dementierte aber, über Kaufabsichten der Stiftung gesprochen zu haben. In dem Zeitungsbericht war er zitiert worden, die Stiftung "erwäge" einen Kauf. Dieser sei beim derzeitigen Stand nach Ausschreibung und Stadtratsbeschluss ohnehin nicht mehr möglich, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung.

Seemann forderte die Stadt auf, in den aus seiner Sicht noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen ein "offenes Verfahren" zu erreichen, um eine "sinnvolle und dem Haus angemessene" Nutzung zu erreichen. Den bisherigen Plan halte er im Wesentlichen für ein Kommerzprojekt. "Dabei soll unter dem Mantel Dalí-Museum ein dubioser Kunsthandel eingerichtet werden." Dalis Kunst habe mit der klassischen Überlieferung in Weimar nichts zu tun.

Die Stadtverwaltung verwies darauf, dass die Stiftung in der Vergangenheit immer wieder einen Kauf des Hauses abgelehnt hatte. Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) sagte nach Angaben des Sprechers, dass er weiterhin für Vermittlungen zwischen allen potenziellen Nutzern bereit sei. Dies gelte auch für einen von Seemann ins Gespräch gebrachten Sponsor.

In dem Haus hat auch eine Außenstelle des Goethe-Instituts ihren Sitz. Die enge Goethe-Freundin Charlotte von Stein (1742 bis 1827) hatte bis zu ihrem Tod in dem Haus gewohnt. Sie war einst Hofdame von Herzogin Anna Amalia.

dpa