22 / 07 / 2008
Richard Rogers
Herzlichen Glückwunsch!
"DER GUTEN MENSCH VOM THEMSEUFER"
Der Erfolg flog Rogers, obwohl er als Sohn reicher Eltern geboren wurde, nicht zu. "Mein Leben war nie einfach", bekannte er einst. Als Kind hätten ihn die meisten Menschen wegen seiner Legasthenie für "dumm" gehalten. Zudem musste die Familie unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg aus politischen Gründen Rogers' Geburtsland Italien verlassen. In London begann er dann seine Architekturausbildung, die ihn später an die US-Eliteuniversität Yale führte, wo er auch Norman Foster kennenlernte.
Doch es war der Italiener Renzo Piano, mit dem Rogers Anfang der siebziger Jahre der internationale Durchbruch gelang: Das Duo bekam den Auftrag, das Museum Centre Pompidou zu bauen. Das Gebäude im Herzen der französischen Hauptstadt warf dabei alle herkömmlichen Bauweisen über den Haufen: Bunte Rohre prangen an der Außenwand, Rolltreppen – sonst im Inneren der Gebäude versteckt – fahren an der Fassade entlang, die Stockwerke lassen sich heben und senken. Offene und flexible Bauten sind seither eines von Rogers Markenzeichen.
Das Werk erzürnte jedoch Traditionalisten, die das Bauwerk als "Gymnastikhalle für King Kong" abtaten. Rogers bekam angeblich zwei Jahre keine Aufträge mehr und war kurz davor, die Architektur aufzugeben. Erst ein Millionenauftrag des britischen Versicherungskonzerns Lloyds rief Rogers wieder auf den Plan. Er baute im Londoner Finanzviertel einen Hochhauskomplex, der die einen an eine faszinierende "gotische Kathedrale des 20. Jahrhunderts" erinnert, die anderen an ein gigantisches Parkhaus.
Auch bei diesem Stahl-Glas-Komplex brachte der Architekt das Innenleben wie Fahrstühle und Lüftungen außen an und sorgte dafür, dass sich konservative Versicherungsmanager am Kopf kratzten. So wollte einer wissen, wann denn das Gebäude endlich von all den Kränen und Gerüsten befreit werde. Rogers soll geantwortet haben: Die Kräne und Gerüste sind das Haus.
22 / 07 / 2008
