Architekturbiennale - Kazuyo Seijma / SANAA

Mit asiatischem Lächeln

Die japanische SANAA-Baumeisterin, die 2010 die wichtige Architekturbiennale in Venedig führen soll, gilt als spröde und wenig kommunikativ. Aber vielleicht ist genau das auch ein konstruktiver Ansatz für dieses Festival.
Eine gute Wahl?:Kazuyo Seijma leitet die Architekturbiennale Venedig

Das SANAA-Duo: Kazuyo Sejima, rechts, und Ryue Nishizawa, links

Ob dies wirklich eine gute Wahl ist? Kazuyo Seijma, die japanische Architektin, die gemeinsam mit Ryue Nishizawa das Büro SANAA führt, soll die 12. Architekturbiennale in Venedig 2010 leiten. Wäre dies eine Auszeichnung für ihre weiße, lichte Baukunst, wäre die Ehre hochverdient. Der Serpentine-Pavillon, der diesen Sommer in London eröffnet wurde, die leider konkurs gegangene Design-Schule in Essen, das Museum für zeitgenössische Kunst in New York oder demnächst das weiße Wellengebirge für das Rolex Learning Center in Lausanne sind alles Bauten von einer hochspezifischen Poesie und großer Raumqualität.

Aber wer mit der zierlichen Architektin mal versucht hat, ein Interview zu führen, der muss doch arge Zweifel fühlen, ob ein extrem kommunikativer Netzwerk-Job wirklich zu den ersten Talenten der Baukünstlerin aus Tokio gehört. Schüchtern und mit mäßigem Englisch beantwortet Seijma Fragen einsilbig und mit undurchdringlichem asiatischen Lächeln. In großen Menschenmengen wie bei der Eröffnung ihrer Bauwerke wirkt die 53-jährige asketische Frau zerbrechlich und unangenehm berührt. Und für griffige Thesen über die Zukunft der Architektur sind die spröden Statements von Seijma auch nicht bekannt.

Ein rasendes Kommunikationsgenie, das die mitterweile ausufernde Architekturbiennale in den Gardini und dem Arsenale nicht nur mit Leitsätzen bändigt, sondern ihr auch die nötige Grandezza verleiht sowie die Show nach außen charmant repräsentiert, scheint Kazuyo Seijma also nicht zu sein. Doch ganz offensichtlich wurde die erste Frau, die diesen Job machen darf, gerade als Kontrast zu dem Typ Flugmeilen-Kurator ausgewählt, der zuletzt das Programm verantwortete.

Große Schulstunde über zeitgenössische Architektur

Im Statement des Direktoriums für die Wahl der Architektin schwingt jedenfalls einiges an der Enttäuschung mit, die auch Kritiker und Publikum über die letzten Thesenshows wie "Less Aesthetics, more Ethics" oder "Architcture beyon building" und ihre größtenteils beliebige Bebilderung durch Projekte empfunden haben. Die Architektin sei gewählt worden, um "das große Thema der Architekturqaulität" endlich wieder in den Vordergrund zu stellen, heißt es in der Begründung.

Sejima selbst unterstreicht diesen Ansatz. Sie wolle konkrete Gebäude, ihre Atmosphäre und die Ideen, aus denen Architektur entsteht, zum Ausgangspunkt ihres Programms machen, erklärte sie. Das hört sich zwar nach einer großen Schulstunde über zeitgenössische Architektur an, aber vielleicht ist genau das der richtige Zugriff auf eine global agierende Branche, deren spektakulärsten Produkte oft doch sehr zufällig aussehen. Denn dass schönes Bauen auch ein sehr konkreter intellektueller Prozess ist, der die verschiedensten Bereiche von Kunst, Gesellschaft und Lebensart verbinden kann, das sieht man den meisten Blubber- und Schiller-Designs von heute längst nicht mehr an. Vielleicht ist die Reduktion auf das Spröde von Erklärungen also tatsächlich ein konstruktiver Ansatz für ein Festival, das zuletzt doch eher unter babylonischer Begriffsverwirrung litt.