Berliner Staatsoper - Bundesstiftung Baukultur

Streit um den Umbau der Berliner Staatsoper

Die Bundesstiftung Baukultur hat sich für den preisgekrönten Entwurf mit einer völligen Neugestaltung des Zuschauerraums der Berliner Staatsoper ausgesprochen. Die Arbeit des Architekten Klaus Roth müsse Grundlage für die weitere Planung sein, erklärte die Stiftung am Mittwoch in Potsdam. Aber die Freunde der Staatsoper drohen jetzt mit Rückzug aus der Umbaufinanzierung.
Umbau der Berliner Staatsoper:Offener Brief der Bundesstiftung Baukultur

Nach dem Roth-Entwurf wird der Zuschauerraum völlig neu gestaltet und alle Spuren von Barock und Rokoko einbüßen

Der Verein der Freunde der Berliner Staatsoper Unter den Linden droht mit dem Entzug der Finanzhilfe für den Umbau des Hauses. Sollte sich die Politik für den völligen Umbau des Zuschauerraums entscheiden, "werden wir unser Angebot eines finanziellen Engagements nicht aufrechterhalten", erklärte der Vorsitzende des Freundeskreises, der Unternehmer Peter Dussmann, am Mittwoch in Berlin. 75 Prozent der 1400 Vereinsmitgliedern hätten sich für den Erhalt des 1955 entworfenen Raums mit seinen historischen Vorbildern ausgesprochen. Der Verein will 30 Millionen Euro für die auf 260 Millionen Euro bezifferten Baukosten beisteuern.

Ganz anders sieht dies die Bundesstiftung Baukultur: Das Gebäude biete eine Collage verschiedener Stile, sei aber trotzdem ein Gesamtkunstwerk des Rokoko in der Interpretation der fünfziger Jahre, erklärte der Stiftungsvorsitzende, Michael Braum, in einem offenen Brief, der unter anderem an den Generalmusikdirektor der Lindenoper, Daniel Barenboim, und an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ging.

Dem Architekten Klaus Roth gelinge es, den 1742 fertig gestellten Originalbau von Knobelsdorff mit dem Umbau von Richard Paulick nach dem Zweiten Weltkrieg zu verbinden. Der prämierte Entwurf müsse als bestmögliche Lösung in der Öffentlichkeit dargestellt werden. Dann werde er auch von den Berlinern und den Besuchern der Stadt unterstützt, erklärte die Stiftung weiter. Die 2007 gegründete Bundesstiftung Baukultur setzt sich für "gutes Bauen und Planen" ein. Im Stiftungsrat sitzen Vertreter aus Politik und Architektur.

Am Dienstagabend hatten sich nach dpa-Informationen Vertreter von Bund und Land bei einem Spitzentreffen über die Auswahl des Entwurfs zur Renovierung der Staatsoper beraten. Eine Entscheidung soll bis zur Sommerpause Mitte Juli getroffen werden.

Nach dem Roth-Entwurf wird der Zuschauerraum völlig neu gestaltet und alle Spuren von Barock und Rokoko einbüßen. Die Fassade des Hauses bleibt unangetastet. Eine Jury hatte Roths Pläne unter acht Vorschlägen ausgesucht. Akustik und Sichtbedingungen im Opernhaus seien nach heutigen Maßstäben sehr dürftig und müssten dringend verbessert werden, hatte die Jury erklärt.

albi/dpa