Glanzlichter - Naumburger Dom

Leuchtender Parcour

Licht, das durch Fenster fällt – die Kunst der Glasmalerei prägt seit dem Mittelalter die Sinneseindrücke in der Kirche. Dass diese lichtvolle Kunst noch lebt, zeigen zeitgenössische Künstler wie Markus Lüpertz, Neo Rauch und Gerhard Richter in einer Sonderausstellung im Naumburger Dom.

"Der Künstler hat etwas ­Ungeheures produziert." So schwärmte 2011 der namhafte Kunsthistoriker Horst Bredekamp vor Imi Knoebels Kirchenfenstern in der Kathedrale zu Reims. Von "Explosionsbildern" und "glühenden Farbensembles" ist da die Rede. Tatsächlich bietet das Zusammenspiel von Sakralraum und Lichtdramaturgie der Malerei einen derart glanzvollen Auftritt, wie man ihn in 
der aktuellen Kunst sonst kaum noch antrifft. Das hat auch Gerhard Richter mit seiner Form- und Farborgie im Kölner Dom unter Beweis gestellt.

Mit ihrer Ausstellung "Glanzlichter" im Dom zu Naumburg haben sich nun die Kuratoren Holger Kunde und Holger Brülls dieser so effektvollen wie traditionellen Kunstrichtung ­angenommen. Sie versammeln Glasmalerei von 33 Künstlern, darunter auch von Knoebel und Mack, zu einem leuchtenden Parcours. Auslöser und einer der Höhepunkte der Schau sind Neo Rauchs Rubinglasfenster zum Leben der heiligen Elisabeth, die bereits 2007 für eine Seitenkapelle des Gotteshauses entstanden. Seither hat es auch für mehrere kleinere Kirchen in Sachsen-Anhalt Entwürfe von renommierten Künstlern gegeben – so etwa jene von Markus Lüpertz in Gütz oder von Xenia Hausner in Gehrden. Weil diese neuen Glaskunstwerke meist auf bereits existierende ­Verglasungen montiert sind, kann man in Naumburg jetzt sogar diese Originale als Leihgaben betrachten. In den "Glanzlichtern" treten nicht nur etablierte Malerstars auf, sondern auch erprobte Glaskünstler wie etwa Johannes Schreiter oder Thomas Kuzio.

Der Markt für kirchliche Glasma­­le­rei dürfte sich mangels Neubauten in Grenzen halten. Dennoch ist Kunde begeistert: "Dieses Medium ist wieder ins Bewusstsein zurückgekehrt – nicht nur in Kirchgemeinden, sondern auch bei externen Sponsoren, die neue Künstlerfenster stiften." Der Kurator verweist auf die neuen Glastafeln des Leipziger Malers David Schnell, die für eine Friedhofskapelle auf dem Naumburger Domgelände entstanden sind. Tatsächlich erweckt erst das einfallende Licht das fast mystische Eigenleben der splittrigen Raumvisionen Schnells. Mit den funkelnden Fensterbildern des Mittelalters kann diese Glaskunst durchaus konkurrieren.

Glanzlichter – Meisterwerke zeitgenössischer Glasmalerei im Naumburger Dom

bis 2. November,
Naumburger Dom

Der Katalog er
scheint im Michael 
Imhof Verlag.
http://www.glanzlichter2014.de/de/willkommen/

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