Richard Rogers - Herzlichen Glückwunsch!

Der guten Mensch vom Themseufer

Renzo Piano, Norman Foster, Frank Gehry... einer darf im Bund der Star-Architekten nicht fehlen: Richard Rogers. Der Brite begeisterte mit Bauwerken wie dem Centre Pompidou in Paris genauso wie er polarisierte. Von Schanghai über Berlin, Straßburg und London: Überall sind Rogers Bauwerke zu bestaunen. An diesem Mittwoch wird der Architekt 75 Jahre alt.

Der Erfolg flog Rogers, obwohl er als Sohn reicher Eltern geboren wurde, nicht zu. "Mein Leben war nie einfach", bekannte er einst. Als Kind hätten ihn die meisten Menschen wegen seiner Legasthenie für "dumm" gehalten. Zudem musste die Familie unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg aus politischen Gründen Rogers' Geburtsland Italien
verlassen. In London begann er dann seine Architekturausbildung, die ihn später an die US-Eliteuniversität Yale führte, wo er auch Norman Foster kennenlernte.

Doch es war der Italiener Renzo Piano, mit dem Rogers Anfang der siebziger Jahre der internationale Durchbruch gelang: Das Duo bekam den Auftrag, das Museum Centre Pompidou zu bauen. Das Gebäude im Herzen der französischen Hauptstadt warf dabei alle herkömmlichen Bauweisen über den Haufen: Bunte Rohre prangen an der Außenwand, Rolltreppen – sonst im Inneren der Gebäude versteckt – fahren an der Fassade entlang, die Stockwerke lassen sich heben und senken. Offene und flexible Bauten sind seither eines von Rogers Markenzeichen.

Das Werk erzürnte jedoch Traditionalisten, die das Bauwerk als "Gymnastikhalle für King Kong" abtaten. Rogers bekam angeblich zwei Jahre keine Aufträge mehr und war kurz davor, die Architektur aufzugeben. Erst ein Millionenauftrag des britischen Versicherungskonzerns Lloyds rief Rogers wieder auf den Plan. Er baute im Londoner Finanzviertel einen Hochhauskomplex, der die einen an eine faszinierende "gotische Kathedrale des 20. Jahrhunderts" erinnert, die anderen an ein gigantisches Parkhaus.

Auch bei diesem Stahl-Glas-Komplex brachte der Architekt das Innenleben wie Fahrstühle und Lüftungen außen an und sorgte dafür, dass sich konservative Versicherungsmanager am Kopf kratzten. So wollte einer wissen, wann denn das Gebäude endlich von all den Kränen und Gerüsten befreit werde. Rogers soll geantwortet haben: Die Kräne
und Gerüste sind das Haus.

"Wenn man jung ist, will man sich selbst und der Welt etwas beweisen!"

Andere Werke, darunter der freischwebende Veranstaltungstempel Millennium Dome in London oder das neue Terminal am Flughafen Heathrow, begeisterten zwar Architekturkritiker, sorgten aber anderweitig für Probleme: Der
Millennium Dome (heute O2-Arena) litt an Finanzproblemen, die Eröffnung von Terminal 5 im Frühjahr wurde ein Debakel, weil die Gepäckabfertigung kollabierte und tausende Gepäckstücke verloren gingen. Rogers' Schuld war das jeweils nicht.

Wert legt der Architekt stets auf Umweltverträglichkeit und die optimale Energienutzung, wie zum Beispiel bei der Daimler-Benz-Zentrale am Potsdamer Platz in Berlin. Für seinen Vorsatz, Innenstädte lebenswerter zu machen, bringt der Brite auch persönliche Opfer: Er hat kein Auto und radelt täglich durch London zur Arbeit. Die Presse nannte ihn wegen seines Engagements sowohl für die Umwelt als auch für seine Mitarbeiter den "Guten Mensch vom Themseufer". "Gute Weltbürger sollten wir eigentlich alle sein", bemerkte Rogers dazu bescheiden.

Im Londoner Design Museum läuft noch bis zum 25. August die Ausstellung "Richard Rogers + Architects – From the House to the City".
Im vergangenen Jahr – erst relativ spät, wie die britische Presse monierte – bekam Rogers für sein Schaffen den "Nobelpreis der Architektur", den Pritzker-Preis. Seit 1991 kann sich Sir Richard allerdings schon mit dem Rittertitel von Königin Elizabeth II. schmücken.

Heute lebt der Brite nach eigenem Bekunden mehr mit sich im Einklang, als noch in jungen Jahren. "Wenn man jung ist, will man sich selbst und der Welt etwas beweisen. Heute lebe ich in größerem Frieden mit mir selbst." Dazu trägt sicher auch sein Familienleben bei: Rogers hat fünf Kinder und zahlreiche Enkel. Er lebt mit seiner zweiten Frau Ruth Elias, einer bekannten Londoner Köchin, zusammen.

Annette Reuther, dpa

"Richard Rogers + Architects – From the House to the City"

Termin: noch bis zum 25. August 2008, Design Museum, London
http://www.designmuseum.org

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