Neues Nationalmuseum - Oslo

Gerangel wegen Munch

Die neue Oper mögen alle, aber um die Umgestaltung der Osloer Hafenfront ist ein Streit entbrannt. Besonders die Pläne fürs Munch-Museum provozieren. Der soeben gekürte Siegesentwurf für das neue Nationalmuseum hingegen vom deutschen Büro Kleihues + Schuwerk gefällt durch Unaufdringlichkeit.
Gerangel wegen Munch:Umgestaltung der Osloer Hafenfront

1. Preis: Entwurf "Forum Artis" des Architekturbüros Kleihues + Schuwerk, Neapel / Berlin

Die Möwen kreischen und stürzen sich auf die Krabbenschalen, die die zwei Touristen am Kai vor dem Osloer Rathaus ins Wasser werfen. Wohl, weil die Sonne hier besonders lange hinfällt und so viel vom Oslo Fjord zu sehen ist wie nirgends sonst, ist das Hafengebiet zwischen Aker Brygge und Festung Akershus ein so beliebter Anlaufpunkt. An der aufregenden Architektur jedenfalls kann es nicht liegen, denn die glänzt durch Abwesenheit. Noch. Bis 2017 soll gleich hier das neue norwegische Nationalmuseum entstehen. Als Sieger des Architekturwettbewerbs wurden jetzt Kleihues + Schuwerk mit Büros in Berlin und Neapel gekürt.

Der Bau überzeugt durch Unaufdringlichkeit, hat aber dennoch etwas Monumentales

In der Schlussphase des Wettbewerbs setzte sich das Büro gegen so bekannte Wettbewerber wie Henning Larsen aus Kopenhagen und Zaha Hadid aus London durch, die ebenfalls zu den sechs Finalisten gehörten. Zwar hat die Jury nicht das letzte Wort, doch es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass nun ein anderer Entwurf realisiert wird. Der Bau von Kleihues + Schuwerk überzeugte die Jury durch seine Unaufdringlichkeit, obwohl er kantig und durchaus monumental erscheint. Doch das neue Nationalmuseum wird sich im Hintergrund halten. Dem Gebäude ist von der Politik ein leerer Platz hinter dem Nobel-Friedenszentrum, nur rund 100 Meter von Wasser und Rathaus entfernt, zugewiesen worden. Eine Ausstellung im Osloer Architekturmuseum mit den von der Jury ausgewählten Entwürfen zeigt, dass die Idee von Kleihues + Schuwerk eine der wenigen ist, die dem Nobel-Friedenszentrum nicht die Schau stehlen. Der Wettbewerbsbeitrag m-box von Stokke / Wiig aus Oslo beispielsweise schreit geradezu danach, das Friedenszentrum und das Gebäude daneben einfach abzureißen. Zu aufregend sieht der Fassadenentwurf aus, als dass er sich mit den zwei davor gesetzten Gebäuden vertragen würde.

Seit Eröffnung der neuen Oper im April vor zwei Jahren reiht sich Oslo in die lange Liste jener Städte ein, die auf den viel gerühmten Bilbao-Effekt hoffen. So wie die Guggenheim-Filiale die spanische Hafenstadt auf die Landkarte der internationalen Kultur gesetzt hat, brachte die vom norwegischen Büro Snøhetta gezeichnete Oper Oslo enorme Aufmerksamkeit. Doch damit nicht genug, das neue Nationalmuseum, ein neues Munch-Museum, ja, die komplette Umgestaltung der Hafenfront sollen aus Oslo endlich eine architektonisch auffallend spannende Stadt machen.
Doch es gibt Probleme, nicht immer werden Entwürfe so positiv aufgenommen wie der des Nationalmuseums. Das neue Munch Museum, gezeichnet von Herreros aus Spanien, sei zu hoch, stehle der Oper die Schau und zerstöre die historische Stadtansicht, so die gängigsten Kritikpunkte.

Der Opernchef hegt Zweifel

"Das vorgeschlagene Munch-Museum ist ein besonderer Bau, kein einfaches Bürogebäude. Es hat den sonderbaren Knick und ist transparent. Es ist etwas extrem speziell gegen etwas andres extrem spezielles, da habe ich Angst, dass das eine das andere zerstört", lautet die Befürchtung von Tom Remlov, dem Chef der norwegischen Oper, in dessen unmittelbarer Nähe das neue Munch-Museum – ein Hochhaus mit mehr als 10 Stockwerken – hochgezogen werden soll. Er ist nur einer von mehreren Kritikern, darunter auch der oberste Denkmalschützer des Landes, aus der norwegischen Kulturszene, die davor warnen, ein so riesiges neues Munch-Museum zu realisieren. Schließlich würde der hohe Bau die Stadtansicht von Oslo für immer verändern. Das Munch-Museum wird gebaut, so viel steht fest, doch es könnten noch Änderungen kommen, um die Kritiker zufrieden zu stellen. Der Entwurf für das neue Nationalmuseum von Kleihues + Schuwerk ist bisher bei niemandem wirklich angeeckt. Lotte Sandberg, die einflussreiche Kritikerin bei Norwegens bedeutendster Zeitung, "Aftenposten", ist voll des Lobes. Angesichts der Tatsache, dass Norwegen am 9. April den 70. Jahrestag der deutschen Invasion beging und Kleihues + Schuwerk ein deutsches Büro ist, mutet es allerdings etwas seltsam an, dass sie schreibt, deren Gebäude könnte aus den 1930ern stammen. Aber Sandberg dachte wohl eher an die Bauhaus-Bewegung als an Hitlers Hofarchitekten Albert Speer.

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