Jüdisches Museum - Köln

Es droht ein Dauerprovisorium

Die Kontroverse um den möglichen Bau eines Jüdischen Museums in Köln spitzt sich zu – und zeigt, wie schwierig es in Köln ist, überhaupt etwas Neues zu planen.

Wer viele Jahre nicht mehr in Köln war, wird sich wundern, wenn er jetzt wieder zurückkommt. Alles sieht noch genauso aus wie früher, zumindest in der City. Das Zentrum der 2000 Jahre alten Handelsmetropole wird noch immer von Stadtautobahnen durchschnitten, das Opernhaus verfällt, und die verklinkerten Mietshäuser aus den 50er Jahren wirken teils wie nach außen gestülpte Schwimmbäder. Wie schwierig es in Köln ist, etwas Neues planen, sieht man derzeit wieder am Beispiel des Jüdischen Museums.

Am Donnerstagabend wurden die drei architektonischen Siegerentwürfe dem Bürgerpublikum präsentiert. Doch die gut 100 Zuhörer waren an den einzelnen Konzepten kaum interessiert, ihnen ging es um eine ganz andere Botschaft: Sie wollen an der vorgesehenen Stelle überhaupt kein Museum.

Das hat wohl nichts mit grundsätzlichen Vorbehalten gegen ein Jüdisches Museum zu tun – Toleranz und Weltoffenheit gehören ja bekanntlich zum Selbstbild der Kölner. Nein, die Bürger wollen einfach den Rathausplatz nicht bebaut haben. Köln soll so bleiben, wie es ist.

Die Architekten und der Baudezernent Bernd Streitberger verweisen immer wieder darauf, dass der Platz bis zu den Bombardierungen des Krieges immer bebaut war, aber das kann die Bürger offenbar nicht überzeugen. Der Widerspruch füllt ganze Leserbriefseiten. Wer als Ortsfremder auf den Platz kommt, dürfte mit einem gleichgültigen Schulterzucken reagieren, aber Kölner sind ihm auf geheimnisvolle Weise verbunden. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass an der Ostseite das Historische Rathaus steht, in dem jeden Tag im Akkord geheiratet wird. Danach tritt man dann auf den Platz und nimmt Glückwünsche entgegen – das prägt. Der Überlieferung zufolge hat dort in grauer Vorzeit auch einmal der 1. FC Köln einen Sieg gefeiert.

Die Stadt Köln werde zu dem Museum keinen Cent beisteuern

Die Diskussion in der Presse wird nach Meinung der Architekten nicht ehrlich geführt. Die Frage "Bebauung oder nicht" sei falsch gestellt – bebaut werde der Platz so oder so. Genau in der Mitte befindet sich nämlich eine große Ausgrabungsstätte, "eine richtige unterirdische Stadt" nach den Worten von Kulturdezernent Georg Quander. Zurzeit wird diese Archäologische Zone von einem Zelt überdacht, sie soll aber auf jeden Fall einen dauerhaften Schutzbau bekommen. Damit kann man dann dort sowieso keine Fußball- oder Karnevalsfeiern mehr abhalten.

Der aufregendste Fund in der Archäologischen Zone sind Reste der mittelalterlichen Synagoge. Deshalb wäre dies so ein guter Standort für das Jüdische Museum, das nach derzeitiger Planung über dem Schutzbau für die Archäologische Zone entstünde, so dass sich beides ergänzen würde. Bezahlt werden muss das Museum von einem privaten Trägerverein, und nicht nur in der Stadtspitze gibt es Zweifel daran, dass dieser Verein die Millionen wirklich zusammenbekommt.

Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) wird vorgeworfen, in der Debatte unentschlossen und wankelmütig zu agieren. Erst lobte er den Siegerentwurf für das Museum, dann kritisierte er ihn. In der Diskussion am Donnerstagabend argumentierte er auffällig vorsichtig, berief sich immer wieder auf Entscheidungen des Rates, die er als "Verwaltungschef" ausführen müsse, und beteuerte, die Stadt Köln werde zu dem Museum keinen Cent beisteuern. Grundsätzlich ist er natürlich auch für das Museum, gewiss doch, aber wenn er darüber redet, wirkt er nach Meinung seiner Kritiker eher wie ein Verwaltungsbeamter als wie der direkt gewählte Oberbürgermeister der viertgrößten Stadt Deutschlands. Man vermisst die Leidenschaft.

Thomas van den Valentyn, der Architekt des zweitplatzierten Entwurfes, warnte vor einem neuen Dauerprovisorium, einem Platz mit einer überdachten Ausgrabungsstätte: "Das wäre die totale Niederlage für Köln."

Christoph Driessen, dpa