Museum für moderne Kunst - Rom

Einmal durch den Wilden Westen

Noch vor zehn Jahren gab es in Italien keine institutionelle Förderung der zeitgenössischen Kunst. Dem Staat ging es ja schon über seine Kräfte, das kulturelle Erbe zu erhalten. Mit respektvollem Neid sahen die italienischen Künstler auf Deutschlands Museumslandschaft. 1999 rang man sich dann im Kulturministerium zu einem großen Entschluss durch: Rom sollte ein Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst erhalten.
Einmal durch den Wilden Westen:Zaha Hadids spektakulärer Museumsbau

MAXXI sieht das Licht – das neue Museum in Rom mit einer Lichtinstallation von Tobias Rehberger

Als Baugrund für das neue Museum stand ein drei Hektar großes, ehemaliges Kasernengelände im Flaminia-Viertel, zwei Kilometer von der Piazza del Popolo entfernt nah am Tiber, zur Verfügung. Den Wettbewerb schrieben Kultur- und Bauministerium gemeinsam aus. Zaha Hadid schlug rund dreihundert Konkurrenten, unter ihnen Jean Nouvel und Rem Kolhaas, aus dem Feld. Der italienische Architekt Renzo Piano hatte sie gewarnt: "In Rom zu bauen ist ungefähr so, wie das Durchqueren des Wilden Westens im Planwagen." Zaha Hadid ließ sich nicht schrecken. Sie liebe Herausforderungen, sagte sie.

Fünfmal wechselten die Minister und politischen Richtungen im Kulturministerium. Dementsprechend langsam kamen die Bauarbeiten voran. Manchmal stockten sie ganz, und jeder Stillstand verschlang 200 000 Euro monatlich. Neue Normen zur Gebäudesicherung gegen Erdbeben verteuerten den Bau. Die Gesamtkosten betrugen schließlich 150 Millionen Euro. Zaha Hadid war mit ihrem Entwurf dem Museumskonzept der Auftraggeber entgegengekommen, die nicht nur eine Stätte des Sammelns und Zurschaustellens, sondern flexible Räume wünschten. Ihr komplexes und technisch aufwändiges Werk übertraf dann die kühnsten Erwartungen: schräge Wände, steile Rampen, knotenartige Verschlingungen der Baukörper. "Es dauerte Monate bevor wir überhaupt die gesamte Form verstanden hatten", sagt Giorgio Croci, der neben anderen Ingenieuren mit der Ausführung betraut war.

Innen ähnelt das Museum einer Gleisanlage. Seine Eröffnung ist für Mai 2010 geplant. Dann werden die Besucher im Bewegungsfluss geschwungener, langer Räume mehrspurig dahindriften, im Kielwasser der Kunst. Während das "Nationalmuseum der Kunst des XXI. Jahrhunderts"- MAXXI genannt – im Bau war, hatte man 2001 in einigen Räumen der ehemaligen Kaserne, die Zaha Hadid in ihr Projekt integriert hatte, den Museumsbetrieb bereits aufgenommen. Es gab Ausstellungen, eine Sammlung von über 300 Werken wurde aufgebaut, Archive unter anderem von Carlo Scarpa und Aldo Rossi erworben. "Diese acht Jahre im Provisorium waren wirklich hart ", sagt Anna Mattirolo, Leiterin des MAXXI.

Tanz durch die noch leeren Räume

Der große Platz vor dem Museum wurde jetzt dem Publikum freigegeben und diese erste Annäherung, unter dem passenden Titel "MAXXI vede la luce" ("MAXXI sieht das Licht") mit einer Lichtinstallation von Tobias Rehberger gefeiert. Man musste die Dunkelheit abwarten, und dann sah man dort, wo das zweite Stockwerk wie ein großer Balken vorkragt, zwischen den beiden Bauvolumen aus einem langen Spalt ein unruhig flackerndes Licht dringen. Wer Rehberger kennt, wusste sofort, dass hier wieder mal ein Film ablief, den er uns vorenthält. In Rom wählte Rehberger die Spaghettiwestern von Sergio Leone.

Es war aber weder Clint Eastwood zu sehen, noch hörte man einen Schuss oder die Musik von Ennio Morricone. Rehberger sandte lediglich die Lichtimpulse der Filme in die römische Nacht. Woher kommt seine Liebe zum Lichtspiel? "Als ich klein war", erzäht der Künstler, "verbrachte ich die Ferien mit meinen Eltern in einem Ort bei Rimini. Wir Kinder spielten da oft in einem Hof, der durch eine Mauer von einem Freilichtkino getrennt war. Wir durften die Filme nicht sehen. Wir sahen nur den Widerschein der Projektionen auf den Mauern und Bäumen. Wir hörten die Dialoge, aber ich verstand nicht die Sprache. Ich empfinde heute noch die gleiche Faszination, wenn ich nachts durch eine Straße gehe und in den Fenstern das Flimmern der Bildschirme sehe."

Er habe nicht mit Hadids Museumsbau konkurrieren, sondern ihm dienen wollen, sagt Rehberger. Das ist ihm gelungen. Durch das Licht, das nach außen drängt, wirkt der Bau energiegeladen. Am 14. und 15. November steht das Museum zum ersten Mal dem Publikum offen: Die Berliner Choreografin Sasha Waltz wird mit ihrer Truppe in den noch leeren Räumen tanzen.

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