Grand Paris - Stadtplanung

Neue Stadtzentren und selbstreinigende Wasserstraßen

Aus Paris soll nach dem Willen von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy eine moderne Metropole werden: renommierte Architekten und Städteplaner präsentieren jetzt ihre Visionen für "Grand Paris".
Visionen für eine moderne Stadt:Städteplaner präsentieren Pläne für Paris

Nachhaltige Architektur: Entwurf von dem Atelier Castro Denissof Casi

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist ein Politiker in Eile, seitdem er gleich nach seiner Wahl im Mai 2007 versprochen hatte, auf eine zweite Amtsperiode zu verzichten. Folglich packt er alles an, was an Problemen herumliegt, um das meiste schnell und ungelöst wieder fallen zu lassen.

Zu den Problemen, wie man Frankreich kulturell und administrativ modernisieren und für auswärtige Künstler und Konzerne wieder attraktiver machen könne, gehört für Sarkozy auch "Grand Paris": Wie aus einer Hauptstadt, die seit ihrer letzten städtebaulichen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts fast unverändert blieb, eine moderne Metropole machen? Wie die durch die Ringautobahn markierte Linie zwischen arm und reich abschaffen, wie den "roten Gürtel" der Vororte integrieren, wo Arbeitslose sich in Wohnsilos drängeln und nächtens die Autos brennen?

Gleich 2007 hatte Sarkozy 43 Arbeitsgruppen von Architekten- und Stadtplanern zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen, deren zehn Finalisten jetzt im Architekturmuseum an der Place Chaillot ihre Zukunftsmodelle für eine Ausweitung des historischen Stadtkerns vorstellen. Fast allen Projekten gemein sind die gewünschte Verlängerung der Bahntrassen für den Nahverkehr, Ausbau von Tram- und Straßennetz sowie Rücksichtnahme auf den Umweltvertrag des Kyoto-Protokolls. Dazu kommen neue Besiedlungs- und Geschäftszentren für Groß-Paris und weithin sichtbare Pole, sprich Hochhäuser. Christian de Portzamparc wird am konkretesten und plant sechs je 50 Quadratkilometer große neue Stadtzentren, die Auslagerung der Fernbahnhöfe und eine oberirdische Schnellbahn, den "Aerotrain".

Jean Nouvel setzt auf Ökostädte

Jean Nouvel träumt etwas verquast von vertikal in den Himmel wachsenden Ökostädten, der Deutsche Sin Finn Geipel denkt an zahlreiche Parks und "selbstreinigende" Wasserstraßen, die Gruppe von Antoine Grumbach will die Stadt an der Seine entlang bis ins 200 Kilometer entfernte Le Havre wachsen lassen.

Nur das Architekturbüro MVRDV aus Rotterdam wagt ein sich auf die heutigen Stadtgrenzen konzentrierendes, kompakteres Paris mit verbesserter Infrastruktur. All diese vom Elysée-Palast in Auftrag gegebenen Architektenträume sind allerdings schon vor ihrer Vorstellung politisch obsolet geworden. Denn inzwischen hat Staatssekretär Christian Blanc, von Präsident Sarkozy extra bestellt, um über territoriale Neuordnung und Ausweitung des Pariser Stadtgebiets nachzudenken, ein eigenes Verkehrskonzept vorgelegt.

Das widerspricht den Vorschlägen der Architekten in allen wesentlichen Punkten. An Stelle einer Verlängerung der bereits gegebenen Verkehrsadern ist ein neuer Ring in Form einer 140 Kilometer langen Untergrundbahn vorgesehen, welche die Stadtgrenze lediglich weiter nach außen zieht, ohne Lebensqualität und soziales Gefälle zu berücksichtigen. Mit den Architekturmodellen hat die politische Lösung lediglich eines gemein – auch sie kann nicht finanziert werden.

"Le Grand Paris"

Termin: bis 22. November, Architekturmuseum Paris, Palais de Chaillot, 1 Place du Trocadéro, Paris
http://www.citechaillot.fr/

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