Elbphilharmonie - Hamburg

Millionengrab Elbphilharmonie

Sie soll das neue Hamburger Wahrzeichen werden, so berühmt wie das Opernhaus in Sydney. Jetzt ähnelt auch die Entstehungsgeschichte des Hamburger Glaspalastes mehr und mehr der des australischen Vorbilds: Die Ausgaben für das spektakuläre Gebäude auf einem alten Speicher im Hafen sind in unvorstellbare Höhen gestiegen – mindestens eine halbe Milliarde Euro soll das Prestigeprojekt nun kosten.
Millionengrab Elbphilharmonie:Prestigeprojekt wird 209 Millionen Euro teurer

Auch der Eröffnungstermin wurde auf Frühjahr 2012 verschoben: das Fundament der Elbphilharmonie – Stand Mai 2008

Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) räumte am Mittwoch in der Hansestadt ein, dass das Konzerthaus an der Elbe den Steuerzahler dreimal so viel kosten wird wie geplant. Die öffentlichen Ausgaben für das spektakuläre Gebäude der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron stiegen um 209 Millionen Euro auf insgesamt 323 Millionen Euro. In einer ersten Machbarkeitsstudie war von 77 Millionen Euro Steuergeldern die Rede, später stieg die Zahl auf 114,3 Millionen Euro.

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Strecken Teaser

In einer chaotischen Pressekonferenz, in der erst am Schluss und auf Nachfragen der Journalisten die Gesamtsumme genannt wurde, die auf die Steuerzahler zukommt, versuchte eine sichtlich angeschlagene Kultursenatorin trotzdem Optimismus zu verbreiten. Nach monatelangen Verhandlungen mit dem Bauunternehmen Hochtief und mit den Architekten habe man nun "die größtmögliche Kosten- und Terminsicherheit erreicht." Der Preis für diese Kosten- und Terminsicherheit sei jedoch sehr hoch. "Es fällt mir schwer das zu sagen, aber er ist einfach hoch. Aber er ist angemessen in Bezug auf das, was wir erreicht haben." Würde man die bisher eingesammelten Spenden in Höhe
von 76,6 Millionen Euro noch hinzurechnen, lägen die Kosten der öffentlichen Hand sogar bei 400 Millionen Euro.

Der bisher immer mit ausgewiesene Gesamtpreis des Gebäudes – zu dem Konzerthaus kommen noch ein privat finanziertes Luxushotel und Wohnungen – wurde gar nicht mehr genannt. Schätzungen gehen von mehr als 500 Millionen Euro aus, 103 Millionen Euro waren bisher hierfür veranschlagt. "Wie hoch die Ausgaben für den privaten Bereich sind, können wir im Moment nicht absehen", sagte der Sprecher von Hochtief Construction, Bernd Pütter, am Donnerstag. Der neue Chef der städtischen Realisierungsgesellschaft (ReGe), Heribert Leutner, gab zu, dass es nie einen Festpreis gegeben hätte. Außerdem habe es die ganze Zeit zwei parallel existierende Zeitpläne gegeben.

"Das ist alles unterirdisch"

Auch der Eröffnungstermin musste erneut um fast ein Jahr auf Frühjahr 2012 verschoben werden. "Das erste Konzert wird es in der Elbphiharmonie im Mai 2012 geben", sagte von Welck. Damit muss der künstlerische Leiter der Elbphilharmonie, Christoph Lieben-Seutter, seine Pläne erneut um ein Jahr verschieben. Ursprünglich sollte die Elbphilharmonie im Herbst 2010 eröffnen, im Juni 2008 hieß es dann, der Eröffnungstermin werde auf Herbst 2011 verschoben. "Wir planen die Termine für die Saison 2011/2012 so, dass alles im Notfall auch in der Laeiszhalle stattfinden kann", hatte Lieben-Seutter bereits im Oktober verkündet. Auch die anderen Orchester, darunter das Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und die Philharmoniker Hamburg, müssen ihre Pläne erneut verschieben.

Die Opposition im Hamburger Rathaus zeigte sich entsetzt. "Ich bin fassungslos", sagte Hamburgs SPD-Fraktionschef Michael Neumann. Er könne sich nicht vorstellen, dass die SPD bei einer derartigen Kostenexplosion das Projekt noch mittragen werde. "Vom ursprünglich vereinbarten angeblichen Festpreis ist keine Rede mehr." Die Linken reagierten ähnlich. "Das ist alles unterirdisch. Vorher wurden Planungschaos und Kostenexplosion lapidar damit gerechtfertigt, dass die Elbphilharmonie kein Reihenhaus sei. Das Projektmanagement reicht aber nicht mal für eine Gartenlaube", sagte der kulturpolitische Sprecher der Linken Norbert Hackbusch. Carola Große-Wilde, dpa

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