Hamburger Kunsthalle - Umbau

In den Händen der Einkaufsmeilen-Planer

Der Unternehmer Alexander Otto will den Umbau der Hamburger Kunsthalle nicht nur mitfinanzieren – auch sollen die routinierten Planer seiner Firma ECE, Europas führender Shopping-Center-Betreiber, an den Planungen mitwirken. Ihr Versprechen: die pünktliche Neueröffnung.
Rasante Planung:Bereits am 1. Juli ist Baubeginn

Im April 2016 soll das neu gestaltete Eingangsportal der Hamburger Kunsthalle seine Pforten öffnen

So schnell kann's gehen: Gerade erst wurden die Pläne für den Umbau der Hamburger Kunsthalle vorgestellt, und schon am 1. Juli soll der gesamte Altbau des Museums für Besucher geschlossen werden. Die bekommen dann ab dem 1. August immerhin im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart 200 Hauptwerke der Sammlung vom Mittelalter bis zur Moderne zu sehen. Für die Neugestaltung erhalten die Hamburger, wie seit vergangenem Sommer bekannt, eine Spende im Wert von 15 Millionen Euro von der Stiftung des Unternehmers Alexander Otto und seiner Frau Dorit: Planung und Bauleitung übernimmt Ottos Firma ECE, wobei die Entwürfe in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Büro LH Architekten entstanden sind – ganz wollten Kulturbehörde und Kunsthallenleitung das sensible Projekt wohl doch nicht in die Hände von Einkaufszentrums-Fachleuten legen. Die Stadt investiert derweil insgesamt weitere sieben Millionen Euro in die Sanierung der Depots und eine städtebauliche Umgestaltung des Kunsthallen-Umfelds.

Andererseits spart Hamburg durch den Umbau langfristig Personalkosten: Statt durch bislang zwei, bei Ausstellungen im Hubertus-Wald-Forum sogar drei Eingängen mit Kasse und Garderoben sollen die Besucher nur noch durch den seit Jahrzehnten geschlossenen Haupteingang des ältesten Traktes geschleust werden. Der liegt heute freilich in der Mitte des in mehreren Abschnitten gewachsenen Museums; den verkehrsgünstigen Zugang am Hauptbahnhof werden dann wohl allenfalls Schulklassen nutzen können. Dafür soll am neuen alten Eingang ein großzügiges Foyer entstehen, mit einem Vortrags- und Eröffnungssaal für bis zu 400 Personen, für den die nachträglich eingefügte Trennwand zwischen dem sogenannten Apollosaal und dem heutigen Saal der Meisterzeichnungen entfernt wird. Die Garderoben verschwinden in einem bislang nicht zugänglichen Kellergeschoss neben der Treppe, die zur Galerie der Gegenwart führt.

Oberhalb der alten Haupttreppe soll ein chronologischer Rundgang das bislang etwas unübersichtliche Haus klarer erschließen. Den Auftakt eines Kunsthallen-Besuchs wird künftig allerdings ausgerechnet Hans Makarts Historiengemälde "Der Einzug Karls V. in Antwerpen" bilden – das rund fünf mal neuneinhalb Meter große Bild passt unaufgerollt durch keine Tür und muss an eben der Wand bleiben, an der es heute hängt. Als Gegengewicht möchte der Kunsthallen-Chef Hubertus Gaßner ihm die Werke von Max Liebermann und Lovis Corinth beigesellen, die dem legendären Direktor Alfred Lichtwark besonders am Herzen gelegen haben. Von diesem Verweis auf die Geschichte soll der Rundweg durch sanierte und neu beleuchtete Räume von den mittelalterlichen Altären bis zur Romantik in der Rotunde und dann zurück bis zur klassischen Moderne jenseits von Treppenhaus und Makart-Saal führen. Das Erdgeschoss der Rotunde und die bisherige Buchhandlung nehmen Skulpturen auf, so wie auch auf den Freiflächen zumindest ansatzweise der Lichtwarksche Plan eines Skulpturengartens aufgegriffen werden soll. Da auch Foyer und Shop der Galerie der Gegenwart der Kunst zufallen, wächst die Ausstellungsfläche insgesamt um rund 500 Quadratmeter. Verwaltung und Restauratoren bekommen zudem neue Räume in einem Anbau an der Nordseite des Hauses.

Die Bauzeit versprechen die routinierten ECE-Planer einzuhalten. So ist die Neueröffnung für den 29. April 2016 vorgesehen, lange vor der Elbphilharmonie.

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