Neubau Messehalle - Basel

Ein anderer Blickwinkel

Die Neue Messe Basel von Herzog & de Meuron ist nach 22-monatiger Bauzeit endlich fertig. Im April öffnete sie Ihre Türen: mit Stahlgeflechtfassade, City Lounge und überdachtem Lichthof steckt diese multifunktionale Eventhalle voller Design.
Das Himmelsauge:Eleganz und Lebendigkeit

Außenansicht der neuen Messehalle in Basel

Für die einen ist es ein Ufo, für die anderen ein Korb oder ein Schuppenkleid. Doch was auch immer die Besucher der Art Basel im Juni zu sehen glauben – den Architekten ist ein schillerndes Schaustück gelungen, das die Fantasie anregt.

In kürzester Zeit haben Herzog & de Meuron das Bauwerk realisiert und selbst widersprüchliche Anforderungen erfüllt. Eine Messehalle ist üblicherweise eine fensterlose Kiste. Sie braucht große Spannweiten und ein günstiges Stützenraster, damit die Aussteller flexibel ihre Stände hineinbauen können. Doch so ein Klotz kommt nicht gut an in einer Stadt, die auf ihre gewachsene Bebauung hält und von einer Durchlässigkeit lebt, wie Straßen und Wege sie schaffen.

In Basel haben Bürger bemängelt, die Sichtverbindung vom Rhein zum Badischen Bahnhof sei nun verbaut. Solche Kritik kann der Besucher schwer nachvollziehen. Tatsächlich ist die neue Halle mit ihrer Höhe von 32 Metern ein rechter Klotz. Doch die Architekten lösen das Problem mit wenigen Kunstgriffen. Sie ersetzen den pinkfarbenen Kopfbau und die alte Messehalle drei und schlagen eine Brücke über den Raum dazwischen. Das Erdgeschoss erhält durch eine geschwungene Glasfassade transparente Räumlichkeit und nimmt eine Multifunktionshalle, Shops und Bars auf. Die beiden über acht Meter hohen Ausstellungsetagen, die darüber zu schweben scheinen, sind leicht zueinander verschoben. Das macht die Geschosse von außen lesbar und schenkt dem Bau aus jedem Blickwinkel ein anderes Aussehen. Eine breite Passage im Erdgeschoss lässt Straßenbahnen durchfahren und verbindet den Messeplatz mit der Straße. Im Zentrum der Passage durchbricht ein konisches Himmelsauge die Obergeschosse und öffnet für den Passanten das Gebäude zum Himmel.

Die Fassade verbindet Eleganz mit Lebendigkeit: Horizontale Aluminiumbänder lösen das Volumen auf und geben ihm mit ihrem Schimmer eine menschliche Dimension. Im Innern erlauben sie Ausblicke auf die Stadt. 430 Millionen Franken (360 Millionen Euro) hat der Neubau gekostet. Auf 90 mal 220 Metern bietet er 38 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Für den Veranstalter
ist der Bau existenziell. Die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld platzte aus allen Nähten. Aussteller mussten teilweise in Zelte ausweichen. Das nehmen Firmen nicht lange hin, die 2013 schätzungsweise eine halbe Milliarde Franken in ihre Stände investieren. Wäre die Luxusmesse abgewandert, hätte das auch die Basler Bevölkerung getroffen. Viele finanzieren ihre Ferien mit der Vermietung von Zimmern.

Der Besucher wird den Neubau genießen. Wer auf die Tram wartet, schaut durch das Himmelsauge zu den Wolken. Wer etwas Zeit mitbringt, kann in der Stadtlounge verweilen. Die Messe hat ein neues Gesicht, der Stadtteil Kleinbasel ein Zentrum bekommen. Das architektonische Schmuckstück ist auch ein Generator von Urbanität. Jetzt bleibt der Messe nur noch eine Aufgabe: Das hässliche Parkhaus verletzt an diesem Ort das ästhetische Empfinden und vergeudet innerstädtischem Raum. Es ist an der Zeit, das nächste Bauprojekt zu starten.

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