Richard Meier - Werkschau

Unterwegs im Kunstwerk

Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist gerade selbst sein bestes Ausstellungsstück. Zum fünfjährigen Bestehen feiert es seinen Architekten, den Amerikaner Richard Meier, mit einer Werkschau.

Man muss das schon wollen. Raus aus der Stadt, kilometerweit den Rhein entlang.

Bonn, Bad Godesberg, Bad Honnef, die Orte werden immer kleiner, und bald ist nichts zu sehen als herbstliche Hügel und Burgruinen. Wer so weit raus fährt, dem geht es um was. Wer so weit raus fährt, begibt sich eigens auf die Reise.

Der lange Weg zur Kunst – selbst am Bahnhof Rolandseck ist er noch nicht bewältigt. Man steht vorm Altbau des Arp Museums, der Neubau will erklommen werden. Tief hinein geht’s in den Berg und schließlich herauf, dann ist man endlich da. "Kein Museum für 15 Minuten oder eine Stunde. Es ist ein Experiment, das das Zugeständnis abverlangt, dass man hier sein will", sagt Richard Meier. Die Prozession hat Methode, genau so wollte es der Stararchitekt, der den strengen weißen Bau hoch überm Fluss entworfen hat.

Was hinter dem Konzept steht, zeigt das Museum jetzt in der Werkschau "Richard Meier. Building as Art". Modelle, Fotos und Zeichnungen aus 50 Jahren Schaffen, inszeniert in einem Bau des Meisters selbst. Anlass der Schau ist der fünfte Geburtstag des Museums; 2007 wurde der Neubau fertig. Auch das "nach einem langen Weg", sagte Meier, der zur Eröffnung der Ausstellung aus New York angereist war. Schon 1990 stand die Idee für das Museum der Fondation Jean Arp und Sophie Taeuber-Arp. Finanzielle Engpässe, ein schwieriger Bauplatz und politische Kämpfe bremsten das Projekt über Jahre. Bis feststand, wie es funktionieren kann.

Als ein Gebäude, das aus den Anlagen das Beste macht und gleichzeitig sich selbst zum Teil der Kunst: Der Tunnel in den Berg hinein wird zum Ausstellungsraum, indem die Lichtspirale "Kaa, die Schlange" von Barbara Trautmann auf die Bauform reflektiert. Der Aufzug – durch die spröde Betonröhre hinauf in ein opakes Kegeldach – spielt mit der Vorfreude aufs grandiose Rheinpanorama. Meiers Bau schafft eine geniale Verbindung aus seiner Konstruktionsweise und den Gegebenheiten. In konsequentem Weiß, mit klaren Linien inszeniert er die Flusslandschaft durch den Kontrast, grenzt sich scharf ab und lässt sie gleichzeitig durch großzügige Glasfassaden hinein.

Wer diese Promenade Architecturale bis zur Ausstellung vollzieht, kommt Meier sinnlich auf die Spur. Das Kombinieren von Modulen, das Schichten von Gebäudeteilen zu einem Ganzen versteht der Besucher in der Bewegung durch die Räume. Fenster, Winkel, Achsen sind arrangiert, um Hell und Dunkel zu schaffen, Stimmungen zu wechseln. Dem Pritzker-Preisträger gilt das Verdienst, die Moderne nach Europa zurückgebracht zu haben. Le Corbusiers Prinzipien, von den Nazis abgeschnitten, griff er seit den sechziger Jahren wieder auf.

So markiert das Modell der Corbusier-Villa Savoye Anfang und Ende der Tour durch Meiers Arbeiten. 15 Gebäude – ein Ausschnitt aus 250 abgeschlossenen Projekten – haben die Kuratoren Sylvia Claus und Matthias Schirren ausgewählt. Zahlreiche Holzmodelle aus Meiers privatem Archiv stehen Fotos und Entwurfszeichnungen gegenüber. So werden vielfältige Bezüge deutlich, neben dem Bauhausmeister und dem Barockarchitekten Piranesi vor allem Meiers Zugehörigkeit zur Gruppe der Neo-Modernisten "New York Five". Seit den sechziger Jahren arbeiten die fünf zusammen, auch für den World Trade Center Memorial Square haben sie einen Entwurf eingereicht – ohne jedoch den Auftrag zu bekommen.

Nicht chronologisch ist die Schau geordnet, sie nähert sich Meier als einem Klassiker und arbeitet seine wichtigsten Gestaltungsregeln heraus: Ort, Licht, Farbe, Weg und Proportion. Beim Rundgang erschließt man die frühen Bauten, Wohnhäuser für private Auftraggeber, spektakulär gelegen, cool-elegant mit viel Raum für Kunstsammlungen. Von Meiers berühmtestem Kulturbau, dem Getty Center in Kalifornien, gibt es ein großes Modell, doch leider nur auf dem Foto. Für den Transport hätte man Dächer abbauen müssen. Die Sammlung Frieder Burda in Baden-Baden, das Kunstgewerbemuseum in Frankfurt am Main, das Weishaupt Forum in Schwendi offenbaren Meiers Engagement in Deutschlands Kulturlandschaft.

Es kostet Zeit und Konzentration, dies alles zu erfassen. Doch wer sie aufbringt, folgt nicht nur Meier, er geht mit ihm den Weg, den die moderne Architektur genommen hat. Das Experiment lohnt sich. Man muss es nur wollen.

"Richard Meier. Building as Art"

bis zum 3. März 2013
Arp Museum Bahnhof Rolandseck


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