Franco Stella - Porträt

Wer ist eigentlich Franco Stella?

Der italienische Architekt Franco Stella, der den Berliner Schlosswettbewerb gewonnen hat, war auch in Italien bisher nur in Fachkreisen bekannt. Unsere Korrespondentin Ute Diehl sprach mit dem großen Unbekannten.
Wer ist eigentlich Franco Stella?:das Porträt über den italienischen Architekten

Franco Stella, 65, möchte auch in Berlin "die barocken Vorgaben weiterbauen".

Nach dem Anruf aus Berlin habe er in der Nacht vor Aufregung nicht schlafen können, sagt Franco Stella, 65, der Sieger im Architekturwettbewerb um das Berliner Stadtschloss. Nun klingelt dauernd das Telefon in seinem Haus im Zentrum von Vicenza. Die deutschen Journalisten wollen wissen: wer ist eigentlich Franco Stella, dem die Bundesregierung das Jahrhundertprojekt "Humboldt-Forum" anvertraut? Doch auch in Italien ist der Universitätsprofessor Stella bisher nur in Fachkreisen bekannt.

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Franco Stella wurde am 24. April 1943 in Thiene, einer Kleinstadt in der Nähe von Vicenza geboren. 1968 schloss er sein Studium bei Italiens berühmtem Urbanisten Giuseppe Samonà an der Architekturfakultät in Venedig mit der Diplomarbeit "Eine landwirtschaftliche Siedlung in der Poebene" ab. An derselben Universität lehrte er von 1976 an "Architektonische Komposition". 1990 erhielt er einen Lehrauftrag für "Architekturentwurf" in Genua. Franco Stella hatte immer eine Schwäche für Deutschland, vor allem für Berlin. Er spricht mittlerweile sogar gut deutsch. Zu seinen Freunden in der Hauptstadt gehört der ehemalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann, ein Befürworter des Schlossbaus und der Architekt Klaus Theo Brenner, ein Vertreter strengen Rasterbaus, den Stella für Vorträge an der Universität in Genua gewann.

Franco Stella hat in Deutschland an mehreren Wettbewerben teilgenommen, unter anderem für die Gestaltung des Stadtzentrum von Karlsruhe, den Marktplatz von Weimar und für Wohnblöcke in Berlin. In den Medien heißt es immer wieder, Stella habe mit Aldo Rossi zusammengearbeitet. "Das stimmt nicht", sagt Stella, "ich habe Aldo Rossi nie persönlich kennengelernt, aber natürlich gehört er zu den Architekten, die ich besonders schätze. Auch für mich ist der Rationalismus das einzige denkbare Modell von Architektur überhaupt." Diese Vorliebe verbindet ihn mit seinem Landsmann und Berliner Jury-Vorsitzenden Vittorio Lampugnani.

Sein zentrales Anliegen: "Weiterbauen historischer Gebäude"

In den Jahren 1973 bis 1981 hat Stella im Veneto eine Reihe von Schulgebäuden realisiert, später ein Bürohaus und eine Villa mit Säulenhof in Thiene. Alle Bauten wirken in ihrer Postmoderne etwas abgelebt. 2002 wurde sein Erweiterungsbau für das aus den zwanziger Jahren stammende Messegelände in Padua eingeweiht. An den alten Gebäudekomplex im Stil des Rationalismus hat Stella nahtlos einen Neubau angefügt und damit sein zentrales Anliegen verwirklicht, das "Weiterbauen historischer Gebäude".

Er will nun auch in Berlin "die barocken Vorgaben weiterbauen". So störte es ihn auch nicht, dass der Rahmen für das Bauvorhaben "Humboldt-Forum" so eng gesteckt war. Franco Stella hat noch nie für künstlerische Freiheit gekämpft. Ihr schiebt er an der Ostseite des Schlosses einen dicken Riegel vor. Einen besseren Mann hätten die Verfechter der historischen Konstruktion nicht finden können. In seinem Haus in Vicenza feierte der Auserwählte seinen Sieg und gleichzeitig fast auf den Tag genau den 500. Geburtstag des Renaissancebaumeisters Andrea Palladio, der hier in der Umgebung seine Meisterwerke gebaut hat. Und der sich nun sicher im Grab umdreht.