Tourismus - Ausstellung

Grosssiedlung Mittelmeer

Die Architekturgalerie München zeigt mit der Ausstellung „A toda costa“ (Um jeden Preis) die rasante Entwicklung der Massentourismus-Architektur an Spaniens Mittelmeerküste. In der mittlerweile flächendeckend zugebauten Landschaft sind zwei sehr gegensätzliche Trends zu beobachten, die von Studenten der Technischen Universität München genau unter die Lupe genommen wurden
Finca oder Bettenburg:Urlaubskultur im Test

Golf-Resort Real de Faula, Benidorm

Sonne, Strand und Meer: Vom Balkon aus blickt der Urlauber auf einen breiten, weißen Sandstrand, im Hintergrund schimmert das Wasser türkisfarben. Den Meerblick gibt es in der Touristenstadt Benidorm all inclusive. Denn die Bettenburgen, die hier hoch in den Himmel ragen, sind von Städteplanern in den fünfziger Jahren so entworfen worden, dass jedes Hotel direkt am Wasser steht. Damals hatten vor allem Deutsche zum ersten Mal die Gelegenheit, Flugreisen in den Süden anzutreten: Auf die gigantische Nachfrage nach ein bisschen Zeit in der Sonne folgte ein wahrer Bauboom, der seinen Höhepunkt in den siebziger Jahren hatte und bis heute anhält. Er machte aus der spärlich besiedelten Fischerregion in null Komma nichts eine Betonwüste. Doch die günstigen Pauschalreisen locken heutzutage nicht mehr nur den westeuropäischen Mittelstand in die riesigen Betonklötze, sondern vor allem eine alkoholaffine amüsierwütige Klientel, so dass der Küstenstrich mittlerweile – um es vorsichtig zu sagen – ein wenig in Verruf geraten ist.

Ganz anders die Situation im angrenzenden Hinterland: In die pseudo-ländlichen Ferienorte, die zum jüngeren Tourismusmodell der Costa Blanca zählen, dringt der Pauschalmob selten vor. Diese durchdesignten Dörfer entsprechen einem ganz anderen Städtebautyp als die Costa-Blanca-Hochburgen. Hier reiht sich flächendeckend eine Neubau-Finca im regional-rustikalen Einheitsstil an die nächste. Ökologisch nicht ganz unproblematisch ist der Pool, der zu jedem Domizil gehört und täglich eine Menge Wasser schluckt. Diese Bebauung sieht zwar hübscher aus als die gesichtslosen Betonbunker am Mittelmeer, ist aber letztlich ebenso für den brachialen Urbanisierungsprozess an der Küste Spaniens verantwortlich, denn Golfclubanlagen, Freizeit- und Wohnparks haben die ursprüngliche Bauweise längst verdrängt.

In der Ausstellung „A toda costa“ geht es den Studenten der TU München weder darum, das schlechte Image von Neckermann-Hochburgen wie Benidorm zu unterstreichen, noch den jüngeren Trend zur Privat-Finca zu verurteilen. Sie versuchen lediglich mit Fotos, Plänen, Filmausschnitten, das Phänomen der rasanten Verstädterung der spanischen Küste nachzuvollziehen.

Ausstellung "A toda costa"

Architekturgalerie München: bis zum 24. November 2007. Der Katalog erscheint im Eigenverlag und ist in der Münchener Buchhandlung Werner oder über www.architekturgalerie-muenchen.de für 29 Euro erhältlich

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