Daniel Libeskind - Mailand

Der neue Mailänder Dom

Kaum zu glauben, aber in Mailand gab es bisher kein Museum für zeitgenössische Kunst. Stararchitekt Daniel Libeskind hat jetzt einen Neubau entworfen und stellte das Projekt gemeinsam mit der Mailänder Bürgermeisterin Letizia Moratti der Öffentlichkeit vor.
Streit um Libeskind-Entwurf:Ist das neue Mailänder Museum zu klein?

Libeskind-Entwurf: "Viel zu klein", protestieren Mailänder Sammler.

Der quadratische Bau macht eine Drehung um sich selbst und wird gekrönt von einer runden Dachterasse, auf der ein botanischer Garten und ein Luxusrestaurant Platz finden sollen. Unter der Erde sind Thermenanlagen vorgesehen, in den Stockwerken darüber ein Auditorium, ein Museumshop und Café. Von den insgesamt 18 000 Quadratmetern sind 4000 für die Präsentation von Kunst eingeplant.

"Viel zu wenig", protestierten einige Mailänder Sammler, auf deren großzügige Dauerleihgaben das Museum angewiesen ist. Was hier einmal gezeigt werden soll, weiß allerdings noch niemand. Libeskind will seinen Bau, an dessen Entwurf er nach eigener Angabe nur zwei Monate gearbeitet hat, ganz mit weißem Marmor aus Candoglia verkleiden, dem gleichen Marmor, der beim Bau des Mailänder Doms verwendet wurde.

Das neue Museum für Zeitgenössische Kunst – das "MAC" – wird im neugeplanten Stadtviertel "City Life" stehen, wo auf einer Fläche von 293 000 Quadratmetern zur Zeit der Umbau des alten Messegeländes in ein modernes Wohn-und Büroviertel im Gang ist. Hier sind auch trotz massiver Proteste Mailänder Bürger drei nah beieinanderstehende Wohntürme nach Entwürfen von Daniel Libeskind (170 Meter), Zaha Hadid (185 Meter) und Arata Isozaki (218 Meter) im Bau.

Auch der Museumsbau von Libeskind stieß bereits wegen seiner Bidet-ähnlichen Form auf Ablehnung. Letizia Moratti will das neue Museum noch vor Ablauf ihres Mandats im Juni 2011 eröffnen. Die Baukosten von 40 Millionen Euro trägt der Immobilien-und Baukonzern Salvatore Ligresti. Die Stadt Mailand übernimmt die Urbanisierung. Bis 2014 soll das Stadtviertel "City Life" seine eigene U-Bahnstation bekommen.

An Polemik fehlt es nicht. Die Vertreter der Provinz Mailand blieben der Präsentation des Stararchitekten Libeskind fern. Sie unterstützen den Plan eines Museums für Zeitgenössische Kunst in dem aufgegebenen Stahlwerk Falck an der nördlichen Peripherie der Stadt, ein Projekt, an dem Renzo Piano derzeit arbeitet. So wird Mailand dank der Uneinigkeit der Politiker in einigen Jahren gleich zwei, nur wenige Kilometer voneinander entfernte Museen für zeitgenössische Kunst besitzen.

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