Bauhaus - Dessau

Kein Diskussionsbedarf

Mitten in der Vorbereitung des 100-Jahre-Bauhaus-Jubiläums soll in Dessau der Direktor der Bauhaus-Stiftung ausgetauscht werden. Kultusminister Stephan Dogerloh will die Stelle neu ausschreiben – obwohl Philipp Oswalt die Stiftung in den letzten vier Jahren zu neuem Leben erweckt hat.
Selbstmörderische Personalquerele:Stiftung Bauhaus soll neuen Direktor bekommen

Philipp Oswalt vor dem Bauhaus in Dessau

Was ist denn in Dessau los? Offenbar will die Landespolitik den erfolgreichen Bauhausstiftungs-Direktor Philipp Oswalt – dessen derzeitiger Vertrag bis Februar 2014 läuft – schon nach einer Amtszeit aus undurchsichtigen Gründen wieder loswerden. Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" Ende letzter Woche berichtete, hat der sachsen-anhaltinische SPD-Kultusminister Stephan Dorgerloh im Stiftungsrat der Stiftung Bauhaus Dessau per Umlaufverfahren die Neuausschreibung der Stelle des Direktors der Stiftung Bauhaus Dessau auf den Weg gebracht. "Das Ergebnis ist sehr eindeutig, dass man sich im Stiftungsrat für eine Neuausschreibung der Stelle ausspricht", erklärte Dorgerloh am vergangenen Freitag öffentlich in Magdeburg. Zu den Gründen für seine Personalinitiative äußerte er sich jedoch nicht. Im Gremium sitzen Vertreter der Stadt, des Landes und des Bundes.

Was auf den ersten Blick nach Verwaltungsroutine aussieht, ist jedoch ein einmaliger politischer Vorgang: Schließlich wurde in Sachsen-Anhalt noch nie die Leitung einer Landesstiftung nach Ablauf der ersten Amtszeit wieder ausgeschrieben. "Das ist ein Vorgang, den es so noch nicht gab", bestätigt Martin Hanusch, Pressesprecher des Kultusministeriums in Magdeburg, der aber ansonsten die entstandene Aufregung nicht recht verstehen will: "Noch ist ja nicht klar, ob es eine Neubesetzung der Stelle gibt." Warum gerade in Dessau Erneuerungsbedarf herrschen soll, will auch er nicht kommentieren.

Verwaltungstechnisch kommen "Umlaufverfahren" immer dann zum Einsatz, wenn Beschlüsse ohne Zusammenkunft durch Gegenzeichnen der Beteiligten auf schriftlichem Wege gefasst werden. Dies ist immer dann nützlich, wenn kein Diskussionsbedarf vorhanden, aber ein formaler Beschluss notwendig ist. Doch dass es sich jedoch um eine höchst umstrittene Entscheidung handelt, zeigen die Reaktionen in der Öffentlichkeit. "Dass die Entscheidung des Stiftungsrates im "Umlaufverfahren” und damit ohne Diskussion und ernsthafte Auseinandersetzung getroffen wurde, ist völlig inakzeptabel und wird der Leistung Philipp Oswalts nicht gerecht", kritisierte etwa Ralf-Peter Weber, der Vorsitzende der Grünen-Fraktionim Dessauer Stadtrat. "Als Außenstehender kann man gar nicht verstehen, dass es eine Unzufriedenheit mit der derzeitigen Arbeit des Bauhaus geben könnte", sagt auch der Berliner Künstler und documenta-Teilnehmer Olaf Nicolai, der mitten in den Vorbereitungen für ein Kunstprojekt in den Meisterhäusern Dessau steckt. "Mich wundert, dass man die Neubesetzung der Direktorenstelle am Bauhaus anstrebt, ohne dass man die Gründe hierfür nennt." Ähnlich äußert sich auch der Kulturpolitiker Christoph Stölzl, Vorsitzender des Kreises der Bauhaus-Freunde, der Aufklärung in der Sache fordert: Das Bauhaus in Dessau sei eine international angesehene Institution. Es ist daher wichtig, "zu wissen, was die Träger vorhaben". Tatsächlich ist es ja Philipp Oswalt seit seinem Antritt 2009 gelungen, mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen das Bauhaus-Erbe wieder an die Gegenwart anzuschließen.

Der politische Vorstoß Dorgerlohs kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Das große Bauhaus-Jubiläumsjahr 2019 steht vor der Tür und die Ausschreibung für eine neue Ausstellungshalle in Dessau muss spätestens Mitte 2014 auf den Weg gebracht werden, um fristgerecht zu eröffnen. Zudem braucht es einen Direktor, der sich um Gelder für das Bauhaus-Jubeljahr beim Bund und anderen möglichen Gebern kümmert. Da kostet eine Personalquerele um die Neubesetzung eines so wichtigen Posten viel wertvolle Zeit und erscheint regelrecht selbstmörderisch. Schon jetzt hat das Image der Stiftung Bauhaus Dessau gelitten: National und International hat man sehr wohl registriert, wie es Philipp Oswalt in kurzer Zeit gelang, mit viel Initiative die Dessauer Stiftung wachzuküssen. Im Magdeburger Kultusministerium sieht man dies anscheinend nicht.