Museum Brandhorst - München

Etuikleid für jede Saison

Münchens Museumsareal hat Zuwachs bekommen. Das Berliner Architekturbüro Sauerbruch und Hutton stellte sein neues Museum Brandhorst vor. Wie erwartet, kein spektakulärer Bau, sondern ein wohltemperiertes Museum mit einer schrillen, aber doch lockenden Fassade. Eröffnung soll voraussichtlich im Frühling sein.
Missoni-Pullover für München:Besichtigungstermin im Museum Brandhorst

Museum Brandhorst: Der Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sieht schon eine Münchner Museumsinsel vor seinem geistigen Auge aufsteigen

Keine Ahnung, wer zuerst die Assoziation mit dem "Missoni-Pullover" aufbrachte. Jedenfalls wurde schon bald, nachdem die Fassade des neuen Brandhorst-Museums in München sich für die Passanten enthüllte, über deren quietschfröhliche Farberscheinung gefrotzelt. Tatsächlich ist die auch aus Schallschutzgründen dem Bau vorgelegte Gitterwand aus 36 000 glasierten Keramikstäben koloristisch nicht so weit entfernt von dem Luxusstrick des italienischen Modekonzerns. Während sich im Basisgeschoss des Museumsriegels noch herbstliche Dunkelrottöne breitmachen, geht es in der Höhe der Farbstab-Kombinationen eher frühlingshaft heiter zu.

Nun konnte man bei einer Architekturbegehung den notdürftig in eine Ecke des Museumsareals gezwängten, vom Berliner Büro Sauerbruch und Hutton geschaffenen Kubus erstmals im Innern inspizieren. Udo Brandhorst, aus dem Rheinland zugewanderter Sammler, hat die zusammen mit seiner inzwischen verstorbenen Frau Anette aufgebaute Sammlung zeitgenössischer Kunst 1999 dem Bayerischen Staat gestiftet, erhält dafür jetzt im Gegenzug die rund 48 Millionen teure Schmuckschatulle. Brandhorsts über ein respektables Stiftungskapital verfügende Sammlung hat Filetstücke wie Malerei von Polke und Cy Twombly, imposante Installationen von Bruce Nauman oder Mike Kelley, ist aber in seinem Gesamtkomplex aus zirka 700 Werken eher qualitativ durchwachsen.

Wie aber fiel die erste Reaktion auf das neue Gehäuse der Sammlung Brandhorst aus? Man ist angetan, aber nicht hellauf begeistert. Das innovative Versprechen der gewagten Fassade, einen Museumsweg in die Zukunft zu ebnen, löst sich im Innern höchstens in gebäudetechnischen und ökologischen Dingen wie der raffinierten Tageslichtführung über die drei Etagen ein. Und so ließe sich etwas spitz formulieren, dass das modische Gewand nicht zum eher durchschnittlich bis unscheinbar proportionierten Körper passen will. Sicher, architektonische Kapriolen verbieten sich bei Museumsbauten. Aber den formelhaften Satz, dass sich die Architektur der Kunst unterzuordnen habe, mag man auch nicht mehr hören. Das wunderbare Diözesanmuseum Kolumba in Köln von Peter Zumthor beweist schließlich, wie sehr eine kühne Architektur mit den darin zelebrierten Kunstwerken aufgehen kann.

Hochnäsige Panoramafenster und unschöner Beton

Alles in allem ist Sauerbruch und Hutton ein räumlich wohltemperiertes Gefüge aus für große Formate, Grafik und Medienkunst geeigneten Räumen gelungen. "Wir wollten dem Haus eine gewisse Domestizität verleihen", sagt Louisa Hutton. Das vorrherrschende Material Eichenholz ist allerdings manchmal zu viel des Gediegenen. Im Eingangsfoyer des Kopfbaus, aus dessen ochsenblutroter Decke runde Leuchten wie bei einem Raumschiff hervorquellen, empfängt einen als Kontrast ein hölzernes Wandbücherregal mit dem Charme einer Stadtteilbibliothek. An den phänomenal handschmeichlerischen Treppengeländern und dem geweißten Dielenboden setzt sich die Eichenmanie leitmotivisch fort.

Das Untergeschoss ist vor allem für ausladende Skulpturen vorgesehen. Zu Brandhorsts jüngeren Erwerbungen zählt Damien Hirsts Anatomiekoloss "Hymn", ein plakativ bemalte Bronzetorso mit sichtbaren Eingeweiden. Im Obergeschoss hat man einen gekurvten Saal für ein etwas überschätzten Spätwerk von Cy Twombly, den panomaratischen Lepanto-Zyklus, reserviert. Dass sich ein imposantes, über Eck platziertes Fenster in der Beletage zur Pinakothek der Moderne wendet, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Brandhorst hatte sich seinerzeit erfolgreich dagegen gewehrt, dass Pinakotheken-Architekt Stephan Braunfels auch für sein Museum verantwortlich zeichnet. Jetzt blickt das Panoramafenster fast hochnäsig auf den sich gerade hier von seiner unschönen Seite präsentierenden Betonbau herab. Im Februar 2009 soll das 5300 Quadratmeter große Museum Brandhorst unter der Ägide von Direktor Armin Zweite fertig eingerichtet sein. Dann erst wird sich Glanz und Langeweile der Sammlung herausstellen. Der Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sieht schon eine Münchner Museumsinsel vor seinem geistigen Auge aufsteigen. Dafür fehlt aber nicht nur ein passabler Masterplan, sondern auch der immer weiter verzögerte zweite Bauabschnitt für die Pinakothek der Moderne.

Und die Fassade des Museum Brandhorst? Nun ja, da wird es einem auf Dauer tatsächlich wie mit dem preziösen Missoni-Pullover ergehen. Manchmal wird man das gute Stück wegen seiner farbstiftfröhlichen Auffälligkeit schmähen, um ein paar Jahre später wieder dessen doch frappierend kluge Koloristik zu bewundern. Nicht das Schlechteste für einen Museumsbau der zeitgenössischen Kunst.