Coop Himmelb(l)au - Beyond the Blue

Blaues Spektakel

Modelle, Skizzen, Projektionen – die große Coop-Himmelb(l)au-"Retroperspektive" im Wiener Museum für angewandte Kunst präsentiert das Lebenswerk von Wolf D. Prix als blassblaues Raumerlebnis
Blaues Spektakel:Die "Retroperspektive" in Wien zeigt rund 300 Modelle

Musée des Confluences, Lyon, Frankreich (2001–2010)

Für bescheidene Auftritte war Wolf D. Prix, der nun mehr allein hinter dem 1968 gegründeten Architektenbüro Coop Himmelb(l)au steht, noch nie bekannt. Eher für seine rasanten dekonstruktivistischen Entwürfe, seine schneidigen Sprüche („Architektur muss brennen“) und seine ewige Zigarre im Mundwinkel.

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Strecken Teaser

So lässt es sich der Wiener Architekturprofessor natürlich auch nicht nehmen, höchstpersönlich mittels 15-minütigem Videospot durch seine große Himmelb(l)au-"Retroperspektive" im MAK zu führen. Wie bei einem sehr wohl etwas retro wirkenden Videoclip geistert sein Abbild durch projizierte Entwürfe und programmatische Ideen aus den siebziger Jahren.

Darunter erstreckt sich das verdichtete Lebenswerk, eine Himmelb(l)aue City, unzählige Modelle, geballt zur futuristischen Skyline auf einem schachbrettartig gerasterten Podest. In Augenhöhe. Nicht drüber– und schon gar nicht drunter. Abgestimmt mit der Dramaturgie des Videos werden hier Licht-Akzente gesetzt, glimmen einzelne Modelle, mehrere Linien auf, um die Prix-Rede zu illustrieren. Per Tribüne und Feldstecher kann der Besucher dieses Spektakel, diese Show beobachten. Und wenn sie „brennen“ soll, die Architektur, muss das kühle Blaulicht natürlich in apokalyptisches Rot wechseln.

Wem das reicht, der darf wie das Volk Israel durch ein wundersam geteiltes Bauten-Meer schreiten, also durch einen schmalen Gang schräg durch die Bühne. Oder umkreist das Mekka außen – im Umgang werden drei gerade in Bau befindliche Projekte genauer vorgestellt: Die Münchner BMW-Welt, das Musée des Confluences in Lyon und die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main.

"Coop Himmelb(l)au – Beyond the Blue"

MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst, Wien. 12. Dezember 2007 bis 15. Mai 2008. Katalog: Prestel Verlag, 192 Seiten, 39,90 Euro.
http://www.mak.at/

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