Sensing Spaces - London

Mitgefühl für die Steine

Wie kann man Architektur spüren? Dieser Frage geht die Royal Academy mit einer spektakulären Ausstellung nach.

Ausstellungen über Architektur kranken oft daran, dass Skizzen, Pläne und Modelle dem Besucher wenig von der physischen Realität eines Gebäudes vermitteln können.

Kuratorin Kate Goodwin versucht in der Royal Academy, diesem Dilemma zu entgehen und Architektur fühlbar zu machen. Als Initialzündung zitiert sie ein Gespräch mit dem Schweizer Architekten Peter Zumthor, der ihr mit Worten seine Bauten so anschaulich machte, dass sie sich plötzlich der sie umgebenden Räume bewusst wurde und "zum ersten Mal die durchgetretenen Steinstufen zu meinem Büro" wahrnahm.

Die Kuratorin wählte sieben internationale Architekten aus, unter ihnen so bekannte Namen wie die Portugiesen Eduardo Souto de Moura und Álvaro Siza, der Japaner Kengo Kuma und der Chinese Li Xiaodong, aber auch weniger vertraute Namen wie die beiden Irinnen Shelley McNamara und Yvonne Farrell, die als Grafton Architects in Dublin arbeiten, und Diébédo Francis Kéré, der sowohl in Berlin, als auch im afrikanischen Burkina Faso ein Büro betreibt. Auch Maurizio Pezo und Sofia von Ellrichshausen aus Chile, die sich selbst in einem Bereich zwischen Kunst und Architektur ansiedeln, sind zumindest in Europa relativ unbekannt.

Jeder der auserwählten Architekten interpretiert auf seine Weise die vorgegebene Idee, Architektur physisch erfahrbar zu machen. Kengo Kuma baute einen Ort der Stille und Kontemplation, Diébédo Francis Kéré einen zwei Galerieräume überspannenden, teilweise durchsichtigen Tunnel. Die beiden portugiesischen Altmeister, die für dieses Projekt zusammenarbeiten, schufen ein Environment, in dem Innen und Außen miteinander verschmelzen, Grafton Architects spielen mit dem Licht, das durch das Oberlicht des Galerieraums einfällt, und Li Xiaodong schickt die Besucher durch ein Labyrinth. 'Sensing Space' versucht, dem Besucher das Gefühl von Raum zu vermitteln. "Wir machen etwas, was normalerweise tabu ist", sagt die Kuratorin. "Eine Ausstellung zum Anfassen."

Sensing Spaces

Royal Academy, bis 6. April 2014
http://www.royalacademy.org.uk/exhibitions/sensingspaces/