Stadtschloss - Debatte geht weiter

„Das hat die Idee nicht verdient“

Die Debatte um den Berliner Schlossneubau kommt nicht zur Ruhe: Nun verlangen mit Jan Kleihues und Hans Kollhoff zwei ehemalige Teilnehmer am Wettbewerb Aufklärung über die Frage, ob der italienische Architekt Franco Stella rechtmäßig als Sieger gelten kann oder nicht.

Im Streit um Franco Stella haben sich nun zwei ehemalige Mitwettberber um das Großbauprojekt "Schloss Berlin/Humboldt-Forum" zu Wort gemeldet. Die Tatsache, dass das Bauministerium die Teilnahmeberechtigung des italienischen Wettbewerbssiegers Franco Stella auch in den sechs Monaten zwischen der Verkündung des Siegerentwurfs im letzten November und dem vor wenigen Tagen erfolgten Vertragsabschluss nicht überprüft hat, sorgt offenbar auch unter deutschen Architekten für große Irritationen. "Ich glaube, man hatte gar kein Interesse das zu überprüfen", kommentierte der Berliner Architekt Jan Kleihues verärgert die Versäumnisse des Tiefensee-Ministeriums: "Man war froh, dass man mit Franco Stella jemanden hat, der nirgendwo aneckt."

Kleihues, dessen Entwurf von der Wettbewerbsjury damals einen von vier dritten Plätzen zugesprochen worden war, kritisiert zudem die vertragliche Einbindung der Büros gmp von Gerkan, Marg und Partner sowie Hilmer & Sattler durch Stella, die ursprünglich ebenfalls im Wettbewerb unterlegen waren: "Wenn schon Stella, dann will ich die Aura des Architekten bis zur Sockelleiste. "

Auch sein Kollege Hans Kollhoff wünscht sich schnellstmöglich Aufklärung über die Teilnahmeberechtigung des Wettbewerbssiegers: "Das verlangt die Fairness gegenüber allen Wettbewerbsteilnehmern." Deshalb hat der Architekt eine Rüge an das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung gerichtet. Die Zeit müsse auch genutzt werden, so Kollhoff gegenüber art, "um noch einmal darüber nachzudenken, wie sich denn das Humboldt-Forum in der recht konkreten Konzeption Klaus-Dieter Lehmanns, die ja Teil der Ausschreibung war (und eine andere ist nicht in Sicht), im Siegerentwurf umsetzen lässt. Gegebenenfalls wäre es ratsam und nicht das schlechteste Ergebnis unserer Rüge, diese Diskussion, die in der Jury offensichtlich nicht hinreichend stattgefunden hat, öffentlich nachzuholen."

Wie Kleihues kritisiert auch Kollhoff die Kooperation Stellas mit zwei großen deutschen Architekturbüros: "Mit Unterstützung der Kollegen Hilmer/Sattler und Gerkan/Marg einen reibungslosen Umzug von Dahlem ins Schlossregal zu organisieren, geht an der Herausforderung der Wettbewerbsaufgabe vorbei. Das hat die grandiose Idee des Humboldt-Forums nicht verdient, und das ist der nationalen Anstrengung des Schlossbaus unwürdig."