Herzog & de Meuron - Bird's Nest

Das wichtigste Gebäude unserer Karriere

Der Film von Christoph Schaub und Michael Schindhelm verfolgt die Projekte der Basler Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron in China – und dokumentiert die Arbeit an einer der faszinierendsten Baustellen der Welt: Dem "National Stadium" für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.
Bauen zwischen zwei Kulturen:Über die faszinierendste Baustelle der Welt

"Wir glauben, dass diese Kulturen erhalten bleiben sollten, und wir glauben nicht an eine kulturelle Globalisierung", meint Pierre de Meuron über seine Arbeit in China.

"China wird sich öffnen und irgendwann vielleicht einmal eine Demokratie werden, es wäre aber arrogant, als Schweizer zu sagen, dass die Chinesen erst einmal die Menschenrechte einführen müssen, wie wir sie mit unserer langen demokratischen Tradition kennen, bevor wir hier bauen." Jacques Herzog steht vor dem Olympiastadion in Peking, das er "als das vielleicht wichtigste Gebäude unserer Karriere" bezeichnet.

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Strecken Teaser

Seit er und Pierre de Meuron 2002 zum ersten Mal nach Peking gereist sind, um an dem Wettbewerb für die zentrale Sportstätte der Olympischen Sommerspiele 2008 teilzunehmen, sind knapp fünf Jahre vergangen. In dieser kurzen Zeit haben die Basler Architekten eines der komplexesten Gebäude der Gegenwartsarchitektur realisiert. 320 Meter lang und 60 Meter hoch ist das Stadion. Seine Hülle ist aus einem archaischen Geflecht aus Stahlträgern gewunden, deren Kantenbreite 1,20 Meter misst, und wurde vom Augenblick der ersten Veröffentlichung an von den chinesischen Medien gefeiert: Es sei ein "Vogelnest", und dieses ist für Chinesen nur positiv besetzt als Bild der Heimat und Geborgenheit, in deren Schutz man immer gerne zurückkehrt. Für die Architekten ist es "ein Gefäss", das die Menschen umhüllt, ähnlich den Tonschalen der alten chinesischen Kultur.

Dieses Abenteuer haben Christoph Schaub und Michael Schindhelm von Anfang an mit der Filmkamera festgehalten. Sie haben die Architekten mehrmals nach Peking begleitet, in ihrem Basler Hauptquartier besucht, und mit Vermittlern und Diskussionspartnern wie dem Chinaexperten und Kunstsammler Uli Sigg und dem Documenta-Star Ai Weiwei darüber gesprochen, was es heißt, in einem Riesenland, das einen ungeheuren wirtschaftlichen Aufbruch erlebt, als Westler ein solches Projekt zu realisieren.

Entstanden ist dabei die eindrucksvolle Dokumentation einer der faszinierendsten Baustellen der Welt mit zahllosen Arbeitern, die vieles noch per Hand machen und doch die wuchtigsten Metallstrukturen mit Riesenkranen traumhaft sicher bewegen.

Kritik gegenüber westlichen Architekten

Verquickt damit ist aber auch ein interessantes Porträt des Landes. Die Architekten planen einen ganzen Stadtteil in Jinhua, vier Autostunden südlich von Shanghai, und reisen, um sich mit der chinesischen Kultur vertraut zu machen. Der Alltag der Menschen, der Verkehr, der Smog, die Verlorenheit des westlichen Besuchers und die Buntheit des öffentlichen Lebens sind immer wieder mit den Architekturbildern verschränkt. Das öffentliche Leben soll auch vom Olympiastadion Besitz ergreifen. Herzog & de Meuron haben die Hülle, welche die innere Betonschale der Zuschauerränge umgibt, als offenen Raum gestaltet, damit die Menschen hier Schatten suchen, Tee trinken und Brettspiele spielen können.

Ob die Chinesen selbst wissen, welche Möglichkeiten sie mit dem Gebäude erhalten haben, bleibt bis zuletzt offen. Das Projekt stand mehrmals auf Messers Schneide, es gab Versuche, es den Architekten zu entwenden. Dass ein Vertreter der Pekinger Baubehörde und ein Architekturprofessor aus der Hauptstadt sich vorwiegend kritisch gegenüber den westlichen Architekten äußern, die China doch selbst eingeladen hat, zeigt deutlich, wie schwierig es ist, in diesem Land zu bauen.

Jacques Herzog verweist aber auch darauf, dass es in einer westlichen Demokratie mit ihren langwierigen Entscheidungsprozessen nicht möglich gewesen wäre, in dieser Zeit ein solches Projekt durchzuführen. Und Pierre de Meuron betont zufrieden, sie hätten ihren Entwurf realisieren können: "Das Stadion, wie es hier steht, ist ganz auf unsere Pläne zurückzuführen."

Der Trailer zum Film

"Bird’s Nest. Herzog & de Meuron in China"

Termin: Ab dem 24. Januar in den Schweizer Kinos. Im Sommer auf DVD.
http://www.herzogdemeuron-film.com/