David Chipperfield - Neues Museum Berlin

Ein Palast für Nofretete

Mit der Übergabe des Neuen Museums ist am Donnerstag ein Meilenstein zur Vollendung der Berliner Museumsinsel gelegt worden. Nach mehr als 70 Jahren sollen jetzt die ägyptischen Sammlungen mit der Büste der Königin Nofretete sowie das Museum für Alt- und Frühgeschichte in den vom britischen Architekten David Chipperfield renovierten Bau ziehen – Eröffnung ist im Oktober.

Nofretete bekommt ihren Palast zurück. 70 Jahre nach der Schließung steht jetzt das Neue Museum wieder für die weltberühmte Büste der ägyptischen Königin bereit. Bis zur Wiedereröffnung am 16. Oktober sollen die Sammlungen aus Ägypten und die Schätze aus der Ur- und Frühgeschichte Schritt für Schritt in das Haus auf der Museumsinsel einziehen.

Architekt David Chipperfield hatte das von 1843 bis 1855 errichtete Gebäude, das den Zweiten Weltkrieg nur als Ruine überstand, in archäologischer Feinarbeit wiederhergestellt. Das noch leer stehende Gebäude kann ab diesem Freitag, 6. März, an drei "Tagen der offenen Tür" besichtigt werden.

"Ich übergebe ungerne den Schlüssel nach elf Jahren Arbeit", sagte Chipperfield etwas wehmütig in der Feierstunde. Bei der 200 Millionen Euro teueren Sanierung hatten der britische Architekt und ein internationales Expertenteam nach langen Debatten den seit Jahrzehnten leer stehenden Meisterbau des Schinkel-Schülers Friedrich-August Stüler (1800 bis 1865) Zentimeter für Zentimeter freigelegt. "Die Ruine war von der Geschichte vergessen worden", sagte Chipperfield. Doch anders als üblich wurden die Schäden der Zeit als sichtbares Zeichen in das Ensemble eingefügt.

Risse und Einschüsse, Leerstellen und die zum Teil abgebröckelte Fassade blieben weitgehend unberührt, Chipperfield schützte sie nur vor weiterem Verfall. "Wir wollten aber kein Gebäude herstellen, in dem nur Schäden und Fragmente zu sehen sind, sondern es als ganzes wieder erlebbar machen". Nach den "Bausünden" der fünfziger und sechziger Jahre sei es ein Glücksfall, dass das Neue Museum erst jetzt restauriert wurde.

Denkmalschützer sind begeistert

Auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann sah Schicksal am Werk. Angesichts des "barbarischen Umgangs" der DDR-Führung mit dem im Krieg beschädigten Schloss, sei es ein "Wunder", dass das Neue Museum überhaupt erhalten geblieben sei, sagte er. Es sei aber gelungen, "einen Meilenstein des Klassizismus und der industriellen Bauweise" zu erhalten. Chipperfield habe "die dramatische Geschichte des Gebäudes nicht übertüncht", wie der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, sagte.

Vor allem in dem einst pompösen Treppenhaus setzte Chipperfield sein Konzept am sichtbarsten um. Wo einst Wandmalereien und Dekor der Antike huldigten und goldschimmernde Deckenbalken an eine römische Villa erinnerten, steht nun ein wuchtiger Aufstieg aus Edelbeton.

Und die Denkmalschützer sind von dem Bau begeistert. Es sei gelungen, den Geist Stülers mit dem Notwendigkeiten eines Museums des 21. Jahrhunderts zu verbinden, sagte der Chef des Denkmalamtes, Jörg Haspel. Kritik an der Rekonstruktion äußerte die Gesellschaft Historisches Berlin. "Das Original des Museums ist nicht wieder zu erkennen", der Besucher werde von "zusammengekleisterten Trümmerresten des Originals empfangen".

Bis 2026 werden Pergamonmuseum und Altes Museum restauriert

Das Museum soll ein Panorama über die Kulturgeschichte bieten – vom Schädel des Neandertalers über die Troja-Schätze Heinrich Schliemanns bis zu den römischen Götterstatuen aus Alexandria – und um Fragen wie "Chaos und Kosmos", "Gott und Götter" kreisen. Damit werde auch Nofretete aus ihrer "kostbaren Einsamkeit" geholt und in den Fluss der Geschichte gestellt, sagte Berlins Museums-Generaldirektor Michael Eissenhauer. Die Büste soll unter der Nordkuppel des Museums aufgestellt werden, in einer Sichtachse zur Gestalt des Sonnenkönigs Helios - durch den Niobidensaal, den Bacchus- und den Römischen Saal hindurch.

Mit dem Neuen Museum erhält das UNESCO-Weltkulturerbe Museumsinsel sein drittes Haus saniert zurück. Damit seien von Oktober an alle fünf Kunsttempel wieder zugänglich, betonte Parzinger. Bis zum Jahr 2026 sollen das Pergamonmuseum sowie das Alte Museum restauriert werden. Als größtes Bauprojekt der Bundesrepublik habe der Bund schon 1,3 Milliarden Euro in die Museumsinsel investiert, sagte Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Mit dem geplanten Humboldt-Forum auf dem Schlossareal entstehe in der Mitte Berlins ein Zentrum für Kultur, Kunst und Wissenschaft von internationaler Bedeutung.

Chipperfield bleibt der Museumsinsel erhalten. Der Brite hat das Eingangsgebäude für den Museumskomplex entworfen, dessen Bau zwischen Kupfergraben und Neuen Museum 2010 beginnen soll.

Esteban Engel, dpa

Neues Museum Berlin

Termin: Tag der offenen Tür, 6. bis 8. März. Bildband: Friederike von Rauch/David Chipperfield
Deutsch/Englisch, ca. 128 S., ca. 50 farbige Abb., 24,5 x 28 cm, gebunden, ca. 35 Euro
http://www.wiederaufbauneuesmuseumberlin.de/