Stadtschloss - Franco Stella

Es kommt darauf an, was hinter der Schlossfassade entsteht

Ein italienischer Architekt baut das Berliner Stadtschloss der Hohenzollern mit den Barockfassaden und der Kuppel wieder auf. Die Jury aus Architekten und Politikern hat sich einstimmig für den Architekten Franco Stella aus Vicenza entschieden – und einem völlig Unbekannten das Jahrhundertprojekt in der deutschen Hauptstadt anvertraut.
Der Gewinner steht fest, die Skepsis bleibt:Franco Stella baut Stadtschloss

Wolgang Tiefensee (r.) und der Juryvorsitzende Vittorio Lampugnani präsentieren den Siegerentwurf von Franco Stella

Mit der Präsentation des Siegerentwurfs des Italieners Franco Stella ging heute der internationale Architekturwettbewerb für den Neubau des so genannten Humboldt-Forums auf dem Berliner Schloßplatz zu Ende. Als ein "gutes, einstimmiges Ergebnis" bezeichnete ein zufriedener Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee auf einer Pressekonferenz am Nachmittag im Berliner Kronprinzenpalais den Entwurf des Italieners, der sich eng an die Vorgaben eines Bundestagsbeschluss von 2002 hält.

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Strecken Teaser

Dieser sieht einen Bau in der Kubatur des in den fünziger Jahren abgerissenen Stadtschlosses und die Wiederherstellung der barocken Schlossfasade an mindestens drei Seiten vor. Auch der Architekt und Juryvorsitzende Vittorio Lampugnani zeigte sich zufrieden mit dem Siegerentwurf seines Landsmannes. Stella gelinge eine "neue Authentizität" und bereite einen "emphatischen Rahmen" für einen "Ort der kulturellen Begegnung". Bevor das aus acht Fachleuten und sieben Politikern bestehende Auswahlgremium, darunter die Architekten David Chipperfield, Hans-Günter Merz und Gesine Weinmiller, sich auf ihre Wahl einigen konnten, hätte man sich jedoch "produktiv gestritten".

Kein zweiter Preis – aber ein Sonderpreis

Einig war man sich trotz allem offensichtlich auch darin, keinen zweiten Preis zu vergeben. Keine andere Einreichung käme so nah an die Vorstellungen der Jury heran wie Stellas, so die Berliner Senatsbaudirektorin und Jurorin Regula Lüscher. Dafür erhielt der Entwurf des Berliner Büros Kuehn Malvezzi, der statt einer Kuppel eine rechteckige, transparente Glaskonstruktion vorsah, einen mit 60 000 Euro dotierten Sonderpreis, sowie vier weitere Büros einen dritten Preis.

Zu den großen Fragen, die über den geplanten Baubeginn in zwei Jahren hinausgehen und nun auf dem weiteren Verfahren lasten, gehört nicht nur, ob der Bau tatsächlich mit dem vom Staat vorgesehenen 552 Millionen Euro Budget zu bewerkstelligen ist. Auch ist noch immer nicht geklärt, was genau die künftigen Nutzer, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Humboldt-Universität und der Berliner Zentral- und Landesbibliothek nun tatsächlich mit dem Gebäude vorhaben. Es war der Architekturkritiker Bruno Flierl, der als Beobachter am Rande die deutlichsten Worte fand: "Es kommt darauf an, was hinter der Schlossfassade eigentlich wirklich für die Bürger entsteht. Mir ist es immer zu wenig gewesen, hier nur Museen unterzubringen, die sich selbst gemeldet haben, weil sie in Berlin Raumnot haben."

Ausstellung mit den Entwürfen

Termin: ab 3. Dezember, Kronprinzenpalais, Unter den Linden 2, Berlin

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