Serpentine Pavillon - Olafur Eliasson

Eine Grotte als Café für den Sommer

Einmal im Jahr wird das Gelände der Londoner Serpentine Gallery zum Schauplatz für eine Art Mini-Expo der Architektur. Für diesen Sommer haben der Künstler Olafur Eliasson und der Architekt Kjetil Thorsen ein Gebäude entworfen, das die Zähne fletscht
Ein Gebäude fletscht die Zähne –:der Pavillon an der Londoner Serpentine Gallery

Temporäre Architektur-Installation an der Londoner Serpentine Gallery

Wie ein riesiger dunkelbrauner Tannenzapfen steht das Gebilde auf dem Rasen vor der Serpentine Gallery und fletscht Haifischzähne. Außen windet sich eine Rampe spiralenförmig nach oben, zunächst eingeschlossen von den aus weißen Nylonseilen bestehenden Zähnen, dann offen. Sie bringt den Besucher zuerst in einen gigantischen Raum, eine Höhle, eine Grotte, beleuchtet von einem in die Decke eingelassenen elliptischen Fenster. Danach geht es weiter hinauf, höher als die Baumwipfel des Hyde Park, höher als die Galerie selbst, und die Rampe endet auf einem winzigen Romeo-und-Julia-Balkon, der in den darunterliegenden Raum hineinragt.
Der diesjährige Serpentine Pavillon, der schon jetzt den Spitznamen "Kreisel" trägt, ist das Werk des Berliner Künstlers Olafur Eliasson und des Architekten Kjetil Thorsen vom Osloer Büro Snøhetta, das vor allem mit der Bibliotheca Alexandrina in Ägypten von sich reden machte. Eliasson ist in London kein Unbekannter: Sein "Weather Project" für die Tate Modern, mit glühender Sonne und Nebelschwaden, lockte im Jahr 2003 zwei Millionen Besucher in die ehemalige Turbinenhalle.
Seit langem interessieren sich die beiden Freunde für das Zusammenspiel von Architektur, Raum und Mensch. Ihre mit dunkel gebeiztem Sperrholz verkleidete Stahlkonstruktion spielt mit räumlichen Illusionen, nie weiß man genau, wie solide, wie groß, wie hoch sie eigentlich ist. Der zentrale Raum mit seinen reliefartig ausgeschnittenen Sitzbänken dient tagsüber als Café und am Abend als Seminarraum. "Intellektuelle Experimente" verspricht die Serpentine in den nächsten Monaten.
Die Idee, jeden Sommer von einem internationalen Architektur-Star einen temporären Pavillon auf den Rasen neben die Serpentine Gallery setzen zu lassen, hatte die rührige Direktorin Julia Peyton-Jones vor acht Jahren. Denn das ehemalige Teehaus im Hyde Park besitzt kein Café, in dem sich die Besucher nach dem Ausstellungsrundgang erfrischen können. Da sollten die Pavillons zumindest in den Sommermonaten Abhilfe schaffen. So illustre Namen wie Zaha Hadid, Daniel Libeskind, Oscar Niemeyer und Rem Koolhaas ließen schon ihrer Fantasie freien Lauf. Wie ihre Konstruktionen ist auch der Kreisel mit Haifischzähnen verkäuflich, wenn er im November wieder abgebaut wird.
Wie der Londoner Sommer ließ auch der Pavillon lang auf sich warten. Anders als dieser kam er dann doch noch an und musste notgedrungen zum "herbstlichen Pavillon" umfunktioniert werden. Den beiden Erbauern kann man nicht die Schuld für die Verspätung in die Schuhe schieben. Sie erhielten erst im März den Auftrag, denn eigentlich sollte in diesem, dem achten Jahr der große Frei Otto verantwortlich zeichnen. Sein Entwurf war jedoch zu kompliziert, um ihn termingerecht verwirklichen zu können. Nun soll er im kommenden Jahr gebaut werden.

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