Grafton Architects - Mailand

Etwas Robustes und Kühnes

Ein vom irischen Architekturbüro Grafton Architects entworfener Neubau der privaten Wirtschaftsuniversität Bocconi wurde jetzt in Mailand eingeweiht – und wurde bereits zum "World Building of the Year Award" geehrt.
"Etwas Robustes und Kühnes":die Wirtschaftsuniversität der Grafton Architects

"Ein magisches, unterirdisches Reich von Höfen, Terrassen und Sälen": der Neubau der Wirtschaftsuniversität Bocconi in Mailand

Das mächtige, von außen mit grauem Naturstein verkleidete, fensterlose Gebäude liegt zehn Gehminuten vom Mailänder Dom entfernt in der Via Roentgen, Ecke Viale Bligny. Im Inneren trägt der etwas abweisend wirkende Bau ein gläsernes Herz, ein Labyrinth von Höfen, Brücken, hängenden Gärten, Terrassen und Treppen, in das von oben viel Licht einfällt. Die Arbeitszimmer der rund 1000 Mitarbeiter der Bocconi-Universität scheinen im Raum zu schweben.

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Strecken Teaser

Stählerne Zugseile statt Pilastern sichern die luftige Konstruktion. Durch Lichtschächte sind auch noch neun Meter unter der Erde die Räume fast taghell erleuchtet. Der Gebäudekomplex besteht aus sieben vertikalen, fünf Stockwerke hohen Volumen, die in einem Abstand von jeweils 24 Metern von einem gemeinsamen Unterbau aus drei unterirdischen Geschossen getragen werden. Nur an der Straßenecke öffnet sich das Gebäude mit einer großen Glaswand, durch die man von außen hinuntersehen kann in das große, helle, 14 Meter hohe Foyer im Untergeschoss. Von außen ablesbar ist auch das keilförmig in den Bau getriebene Volumen der Aula Magna, die 1000 Besucher aufnehmen und auch als Theater benutzt werden kann. Zehn Meter über den Köpfen der Passanten ragt der 20 Meter lange Block der Bibliothek aus dem Bau. Überall spürt man die Absicht der irischen Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara "etwas Robustes und Kühnes" zu bauen.

"Früher hatte ich eine schöne Aussicht"

Noch vor Eröffnung des Bocconi-Neubaus wurden die Dubliner Architekten auf dem "World Architecture Festival" in Barcelona von einer Jury unter dem Vorsitz von Robert A. M. Stern mit dem "World Building of the Year Award" geehrt. Die Auszeichnung wurde zum ersten Mal vergeben. 722 Architekturbüros aus 63 Ländern hatten sich beworben. Die Preisrichter lobten den Entwurf, wegen seiner "Öffnung zum urbanen Raum" und weil er "mitten im Zentrum der Stadt ein magisches, unterirdisches Reich von Höfen, Terrassen und Sälen" geschaffen habe. Die Jury schätzte besonders die Behandlung von Raum, Licht und lokalem Baumaterial. Zwei Jahre lang wurde in einem Steinbruch im Hinterland von Bergamo auschließlich für die 25 000 Quadratmeter große Außenwand der Bocconi–Universität der graue "ceppo di grè", ein körniger Naturstein, abgebaut.

Doch nicht alle sind glücklich. Klagen erheben vor allem die Anwohner. "Früher hatte ich eine schöne Aussicht," sagt Herr Brambilla, "heute habe ich eine riesige, hohe, graue Mauer vor mir. Nach fünf Jahren Baulärm, Staub und ohne Parkmöglichkeit, hatten wir gehofft, etwas Schönes zu sehen. Mir hätte eine Glasfassade besser gefallen. Das Gebäude wirkt einfach bedrohlich." Die neue Wirtschaftsuniversität kehrt der Stadt den Rücken zu. Wer ihre Schönheit entdecken will, muss einfach reingehen.

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