Weinraub / Gitai - Pinakothek der Moderne

Verwandter Blick, getrennte Wege

Radikal minimalistischer Baustil bis hin zum Betonbrutalismus – der israelische Architekt Munio Weinraub und sein Filmemacher-Sohn Amos Gitai in der Pinakothek der Moderne.
Verwandter Blick, getrennte Wege:Munio Weinraub und Amos Gitai in München

Munio Weinraub und Al Mansfeld: Rassco Wohnsiedlung Ramat Hadar, Berg Carmel Haifa, 1959

Architektur umreißt ein präzise abgestecktes Territorium, bezeichnet Besitzverhältnisse und hat allein deshalb schon viel mit Grenzziehung zu tun. Umso mehr gilt das für eine Region wie Palästina/Israel, in der seit 1947, seit dem UNO-Teilungsplan in einen jüdi­schen und arabischen Teil, der Konflikt gerade auch um architektonisch errichtete Grenzen entflammt.

Amos Gitai, einer der profiliertesten Regisseure Israels, spür­te in seiner Filmtrilogie "House" (1980), "A House in Jerusalem" (1998) und "News from Home/House" (2006) der wechselvol­len Geschichte eines Hauses in Jerusalem nach. Das ursprünglich in palästinensischem Besitz befindliche Haus wurde nach dem israelischen Unabhängig­keitskrieg zwangsweise evakuiert, nahm dann jüdische Emigranten aus Algerien auf, um schließlich an einen jüdischen In­vestor verkauft zu werden.

Der 1950 geborene Gitai ist nicht nur der Sohn des in Israel als eine Galionsfigur des neuen Bauens verehrten Architekten Munio Weinraub, sondern studierte selbst Architektur. Weinraub, vormals Schüler am Dessauer Bauhaus, war maßgeblich an dem Aufbau des Staats Israel beteiligt. Er entwarf rund 300 Bauten und Projekte, die den sozialistischen Zionismus, an dessen utopisches Versprechen er glaubte, widerspiegeln.

Radikal minimalistischer Baustil

Amos Gitai vermachte den Nachlass seines Vaters nun größtenteils dem Architekturmuseum in München. Grund genug, Munio Weinraub (1909 bis 1970) erstmals in Europa in einer Retrospektive vorzustellen. Anhand von rund 100 Objekten zeigt sich in der Pinakothek der Moderne dessen radikal minimalistischer Baustil bis hin zum Betonbrutalismus, aber auch die offenbar von Ludwig Mies van der Ro­he übernommene Liebe zum Detail. Weinraub hatte vor seiner Emigration 1934 nach Palästina für Mies gearbeitet. Bis heu­te futuristisch wirken seine Rassco-Wohnblöcke auf dem Carmel-Berg in Haifa aus den fünfziger Jahren. Es handelt sich um zwei elfgeschossige Hochhausscheiben, die imposant über dem Tal emporragen.

In der Doppelausstellung verschränken sich die zionistisch geprägte Architekturvision von Weinraub mit dem kritischen Kamerablick seines Sohns auf das heutige Israel.

"Munio Weinraub / Amos Gitai - Architektur und Film in Israel"

Termin: bis 8. Februar 2009, Pinakothek der Moderne, München.
http://www.pinakothek.de/pinakothek-der-moderne/html/kalender/kalender_index.php?haupt=ausstellungen&inc=ausstellung&action=&which=2775